Delikatessen-Engpass Frankreich gehen die Schnecken aus

Sie gehört zur französischen Küche wie Baguette und Vin Rouge: Helix pomatia, die gemeine Weinbergschnecke. Nun allerdings droht den Köchen ein Engpass - die Lieferungen aus Osteuropa gehen dramatisch zurück. Schuld ist ausgerechnet die EU-Erweiterung.

Hamburg - Im Land der guten Küche werden Schnecken knapp. 25.000 Tonnen verzehren die Franzosen pro Jahr - das entspricht 700 Millionen Exemplaren. Doch dem Markt droht ein dramatischer Engpass. Laut "Independent" warnt die französische Lebensmittelindustrie, dass sie die gewünschten Mengen nicht mehr bereitstellen könne. Experten fürchten bereits eine Schneckenpreisexplosion.

Der Grund sind die Lieferungen aus Osteuropa: Sie gehen drastisch zurück. Bis vor kurzem war das Schneckensammeln in Polen oder Ungarn eine beliebte Art, Geld zu verdienen. Verkauft wurde die Ware fast ausschließlich nach Frankreich - für knapp zwei Cent pro Stück.

Doch seit der EU-Erweiterung steigt das Wohlstandsniveau in Osteuropa merklich - und die Menschen haben nun keine Lust mehr, auf der Suche nach Helix pomatia durch die Wälder zu streifen. Schließlich gibt es in der Industrie wesentlich besser bezahlte Jobs.

Für den französischen Markt ist dies ein ernstes Problem: Zwei Drittel der in Frankreich konsumierten Schnecken stammen aus Osteuropa. Hinzu kommt der trockene Sommer, so dass die heimische Produktion die Importlücke kaum zu schließen vermag. Ohnehin ist die Weinbergschnecke in Frankreich rar geworden: Sie gehört zu den geschützten Arten, die "Jagd" ist nur für private Zwecke gestattet.

Der Lebensmittelverband Fédération des Industries d'Aliments Conservés hat sich nun in einem dramatischen Appell an seine Kunden gewandt - und diese auf steigende Preise eingestimmt. Für zwei Cent seien osteuropäische Schnecken nicht mehr zu bekommen, die Verbraucher in Frankreich müssten sich auf höhere Preise einstellen. Wie sehr sich die Delikatesse verteuern wird, blieb zunächst offen.

Allerdings: Den größten Gewinn machen ohnehin nicht die polnischen oder ungarischen Sammler, sondern die französischen Köche. Ein klassisches Gericht - zwölf Schnecken in Knoblauch-Soße - kostet im Restaurant rund sechs Euro.

wal

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