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16. August 2019, 09:58 Uhr

Sprachkritik

Was, bitte, sind Kulanzpakete?

Eine Glosse von

Pizza, Burger oder Pasta - diesen Freitag liefert Deliveroo in Deutschland seine letzten Pakete aus. Sieht man von den "Kulanzpaketen" ab, die das Start-up noch anbietet. Doch da steckt etwas ganz anderes drin.

Anfang dieser Woche kündigte der Essenslieferdienst Deliveroo an, sich aus Deutschland zurückzuziehen. Die letzten Lieferungen werden schon an diesem Freitag ausgefahren.

Wenn man das Geschäft ganz einstellt, ist das wohl die größtmögliche Umstrukturierung. Anders als sonst, löst das Deutschland-Aus von Deliveroo aber keine riesige Kündigungswelle bei den Kurieren des Dienstes aus. Denn die sind alle Freiberufler. Kommen keine Aufträge mehr, ist halt Schluss. Viele trifft das heftig: Die Ankündigung vier Tage vor dem Ende ließ ihnen keine Zeit, sich etwas Neues zu suchen.

Doch Deliveroo, für seine prekären Arbeitsbedingungen oft kritisiert, versprach für die Fahrer "angemessene Vergütungs- und Kulanzpakete".

Einerseits naheliegend: Mit Paketen kennen sie sich aus bei Deliveroo. Nur, dass diesmal wohl Geld drinstecken soll. Kulanterweise, denn eine juristische Verpflichtung gibt es vermutlich nicht, den Fahrern eine Abfindung zu zahlen. Sie waren ja auch nicht sozial- oder krankenversichert. Wobei einige Fahrer durchaus noch ausloten, ob sie nicht doch gerichtlich gegen den Laden vorgehen können.

Derweil melden nun langjährige Vielfahrer, dass ihre "Kulanzpakete" über 400 Euro wert sind. Viele dürften weniger bekommen, die Höhe richtet sich nach den letzten Einnahmen, in den Ferienwochen.

Die Kulanz - und das ist ungewöhnlich - ist hier zweigeteilt: Deliveroo rückt extra Geld heraus, wenn man einen sofortigen Aufhebungsvertrag unterschreibt - wer kann da schon Nein sagen. Normalerweise ist Kulanz eher nicht an solche Bedingungen geknüpft. In den englischen Mitteilungen des Londoner Start-ups ist hier von "good will payments" die Rede. Da weiß man gar nicht, wessen guter Wille gemeint ist.

Was bedeutet es also, wenn Deliveroo von "Kulanzpaketen" spricht? Vielleicht wäre "Sündenerlass" treffender. Der Dienst, der ja in anderen Ländern weiter existiert, will nicht komplett herzlos erscheinen. Und bei den Fahrern, die ohnehin die Gekniffenen sind, zusätzlich Druck erzeugen: Mit einem Aufhebungsvertrag ist die Firma alle juristischen Sorgen los.

Klingt wie ein typisches Deliveroo-Paket: Außen chic, innen lauwarm und nicht besonders nahrhaft.

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