Demografischer Wandel Schluss mit dem Methusalem-Spuk

Leere Kinderwiegen, volle Pflegeheime: Der Rückgang der deutschen Geburtenrate und die Alterung der Bevölkerung werden meist als unabwendbare Katastrophen beschrieben. Dabei sind die demografischen Probleme lösbar - und die Entwicklung bietet auch Chancen.

Alte graue Männer sitzen auf metallenen Bettgestellen, manche liegen gelangweilt auf den Matratzen. Dicht gedrängt stehen die Pritschen; an Wäscheleinen befestigte Bettlaken teilen einzelne Schlafnischen ab. Verhärmte Frauen schlurfen durch die mit Habseligkeiten vollgestellten Flure.

Die Bewohner des Nachtasyls haben schon bessere Tage gesehen: Die Bühne und der Saal des ehemaligen Berliner Schillertheaters, wo seit Jahren keine Stücke mehr aufgeführt werden, sind zu einer Notunterkunft für Obdachlose umfunktioniert, die sich von den 560 Euro Einheitsrente keine eigene Wohnung mehr leisten können. Bis zu 500 Menschen finden in der einstigen Spielstätte Quartier.

Man schreibt das Jahr 2030. Der technische Fortschritt besteht vor allem darin, dass sich die Menschen auf der Straße mit "Segways", motorisierten Stehrollern, fortbewegen. Ansonsten herrschen Trostlosigkeit und Elend, denn jeder dritte Deutsche ist über 60. "Wohin das Auge blickt", steht im Drehbuch, "arme Alte." Die Zustände sind erbarmungswürdig in dieser Alten-Republik, die zwar erfunden ist, aber Realität vorspiegelt. Als "Social-Fiction" bezeichnet das ZDF das dreiteilige Fernsehspiel ("2030 – Aufstand der Alten"), das in diesem Sommer gedreht wurde und Anfang 2007 ausgestrahlt werden soll.

Landauf, landab Vorträge mit Untergangsvisionen

Die verbreitete Altersarmut, so die Botschaft des Films, sei die Folge eines aus den Fugen geratenen Rentensystems. Die junge Generation sei "überfordert und nicht mehr bereit, für das Millionenheer der Rentner zu bezahlen, erläutert ZDF-Redaktionsleiter Heiner Gatzemeier, der das Konzept gemeinsam mit der Produzentin Regina Ziegler entwickelt hat: "Der Generationenvertrag steht vor der Auflösung, das gesamte Pflegesystem ist in Frage gestellt, und die Rationierung medizinischer Leistungen scheint unausweichlich."

Die Zukunft wird in den dunkelsten Farben geschildert – das Drehbuch folgt den Schreckensbildern, die etliche Wissenschaftler und Publizisten in den vergangenen Jahren als Menetekel an die Wand gemalt haben.

Vor allem der inzwischen emeritierte Bielefelder Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg, 67, entfachte mit seinem 2001 erschienenen schmalen Bändchen "Die demographische Zeitenwende" den Horror vor einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft in Deutschland. Seither wird Birg, "derzeit wohl der medial einflussreichste Bevölkerungsforscher Deutschlands" ("Die Zeit"), nicht müde, die heraufziehende Katastrophe zu beschreiben, unter anderem in einem zehnteiligen "Grundkurs Demographie" in der "Frankfurter Allgemeinen", aus dem 2005 ein neues Druckwerk ("Die ausgefallene Generation") entstand.

Auch der Bonner Sozialforscher Meinhard Miegel, 67, prophezeite in seinem Buch "Die deformierte Gesellschaft" (2002), man werde als Folge fehlender Babys "eine Suppe auslöffeln müssen, die wir uns im Laufe einer Generation eingebrockt haben". So richtig populär aber machte das Schreckgespenst Demografie der "FAZ"-Mitherausgeber Frank Schirrmacher, 47. Mit seinem mehr als 400.000-fach verkauften Bestseller "Das Methusalem-Komplott" (2004) lieferte er Gesprächsstoff für Talkshows und Feuilletons.

Landauf, landab werden Kongresse veranstaltet und Vorträge gehalten, die Untergangsvisionen verbreiten. "Zeitbombe Bevölkerungsschwund", annoncierte etwa die Akademie für politische Bildung Tutzing eine Tagung, als handle es sich bei der Demografie um eine Terrordrohung. Das "Aussterben der Deutschen" wird mit nationalem Pathos beschworen, als seien nicht praktisch alle westlichen Industrienationen von dem Strukturwandel betroffen. Von "Vergreisung der Gesellschaft" ist die Rede, als sei ein langes Leben eine ganz schreckliche Vorstellung. Kassandra hat Konjunktur, und das Bild einer freudlosen Zukunft hat sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt – leere Wiegen, volle Pflegeheime.

Falscher Alarmismus, falsche Kausalität, falsche Rezepte

Doch neuerdings ist ein Umdenken im Gange. Immer mehr Stimmen wenden sich gegen die scheinbare Ausweglosigkeit, welche die Untergangspropheten verkünden. James W. Vaupel, 61, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDF) in Rostock, kann über die Horrorszenarien nur den Kopf schütteln. Der gebürtige New Yorker mit internationaler Gelehrten-Karriere rät zu mehr Gelassenheit: "There is too much angst in Germany und not enough hope." Er sagt das auf Englisch mit dem anscheinend unübersetzbaren Begriff für die deutsche Grundbefindlichkeit.

Der Münchner Soziologe Ulrich Beck, 62, nennt den "vorherrschenden nationalen Blick auf die Bevölkerung" eine "Nabelschau-Demografie", die zu "falschem Alarmismus, falscher Kausalität und falschen politischen Rezepten" führe. Vor allem renommierte Ökonomen widersprechen den Endzeitbeschwörern – was aufhorchen lässt, da der demografische Wandel unbezweifelbar gerade Folgen für das Wirtschaftswachstum und die Sozialsysteme haben wird.

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bert Rürup, 62, hält es für "verfehlt, die Altersdebatte zu einer Angstdebatte zu machen". Wirtschaft und Wohlstand könnten trotz demografischen Wandels weiter wachsen: "Wir werden vermutlich etwas weniger Geld für Autos oder Immobilien ausgeben und mehr für Pflege und Gesundheitsleistungen" – aber für die Wachstumsraten einer Volkswirtschaft sei das "letztlich egal". Und auch der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, 49, ist überzeugt, dass die demografische Entwicklung nicht zwangsläufig ökonomische Probleme aufwerfe, wenn nur "rechtzeitig die richtigen Maßnahmen" ergriffen würden.

Richtig ist: Deutschland altert – wie nahezu alle anderen Länder auch. Die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter nimmt ab, immer weniger Junge müssen immer mehr Alte ernähren. Diese Entwicklung wird, wenn man die Hände in den Schoß legt und schicksalergeben abwartet, nicht nur die Sozialsysteme erschüttern. Sie hat auch einschneidende Folgen für den Arbeitsmarkt, für Wohnungsbau und Städteplanung, für Konsum und Kultur, für Freizeit und Lifestyle. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, Planer und Praktiker entwickeln deshalb Lösungsstrategien, um der "demografischen Falle", die Birg für ein "Problem ohne Lösung" hält, zu entkommen.

Zuwanderung ist nicht die Lösung, aber zumindest eine Hilfe

Drei Faktoren bestimmen die Bevölkerungsentwicklung: die Zahl der Geburten, die Lebenserwartung und der Saldo zwischen Zu- und Abwanderung. Die Möglichkeiten des Staates, auf diese Bedingungen Einfluss zunehmen, sind unterschiedlich groß: Die Lebenszeit eines Menschen entzieht sich – wenn man das vor Jahren von dem damaligen Ärztekammer-Präsidenten Karsten Vilmar ironisierte "sozialverträgliche Frühableben" ausschließt – völlig der Steuerung durch die Politik. Ob sich die Lebenserwartung weiterhin erhöht und um wie viele Jahre, hängt von einer gesunden Lebensweise der Menschen und vom weiteren medizinischen Fortschritt ab. Würde beispielsweise der Krebs in den nächsten Jahrzehnten vollständig besiegt, könnte sich die durchschnittliche Lebensdauer allein dadurch um drei bis vier Jahre verlängern.

Ob die Gebärfreudigkeit mit familienfreundlichen Maßnahmen wie Elterngeld, mit besserer Kinderbetreuung oder günstigeren Arbeitsbedingungen für Eltern erhöht werden kann, ist unklar. Es gebe, sagt die Soziologin Michaela Kreyenfeld vom Rostocker Max-Planck-Institut, "wenig harte Beweise, dass Familienpolitik zielgenau die Geburtenentwicklung beeinflussen kann". Immerhin: "Wo ein Elterngeld eingeführt wurde, so wie in Schweden, da hat sich tatsächlich etwas verändert."

Unmittelbar regeln kann die Politik nur den Zuzug von Ausländern. "Wie lange man lebt oder wie viele Babys geboren werden", weiß Demograf Vaupel, "kann die Regierung nicht entscheiden. Sie hat begrenzten Einfluss darauf, wie lange wir leben und etwas mehr darauf, dass sich in einem familienfreundlichen Umfeld Kinderwünsche realisieren lassen. Die Migration ist unter den drei demografischen Größen am meisten beeinflussbar." Zuwanderung, meint HWWI-Chef Straubhaar, könne, "wenn nicht die Lösung, so doch zumindest eine Hilfe" bieten, "die höchsten Belastungsspitzen für kommende Generationen zu brechen".

Dafür müsste allerdings der Zuzug, der in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, wieder erhöht werden – zumal das Geburtendefizit weiter steigen wird. Im vergangenen Jahr gab es 144.000 mehr Sterbefälle als Geburten in Deutschland. "Diese Lücke", prognostiziert HWWI-Forscher Rainer Münz, 52, "wird sich in wenigen Jahren auf 400.000 pro Jahr öffnen." Bis 2002 – außer 1998 – konnte der Babymangel durch Zuwanderung kompensiert werden. Jedes Jahr kamen 200.000 bis 300.000 Menschen mehr nach Deutschland, als wieder wegzogen.

Teil zwei: "An fertigen Konzepten mangelt es nun wirklich nicht"

Obwohl immer weniger Kinder geboren wurden (2005: 686.000), stieg die Bevölkerungszahl weiterhin leicht an. "Ein Volk, das so wenige Kinder bekommt", meint Münz, "sollte sich Einwanderung wünschen." Doch stattdessen wurden immer neue Hürden gegen Migranten aufgebaut; voriges Jahr gab es nur noch 96.000 mehr ausländische Zu- als Abwanderer.

Potentielle Zuwanderer gibt es weltweit mehr als genug. Auf dem Planeten leben derzeit rund 6,6 Milliarden Menschen, jedes Jahr kommen etwa 80 Millionen hinzu. Um 2040, so die gängigen Prognosen, dürfte die Erdbevölkerung die 9-Milliarden-Marke überschreiten, dann aber auf diesem Stand stagnieren.

In den Industriestaaten, in denen die Menschen ihre Nachkommen nicht unmittelbar als Altersversicherung brauchen, sinken die Geburtenziffern – in Deutschland seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Damals brachten deutsche Frauen durchschnittlich mehr als 4,6 Kinder zur Welt. Bereits 1915 war das Geburtenniveau auf 2,9 Kinder je Frau gefallen. Für Bevölkerungswachstum reichte das allemal aus. Erst mit der Erfindung der empfängnisverhütenden Pille stürzte die Geburtenziffer steil ab. Seit 1972 wurden in der alten Bundesrepublik jedes Jahr weniger Kinder geboren als Menschen starben, in der damaligen DDR – wegen des geringen Ausländeranteils – sogar schon seit 1969.

Die deutsche Baby-Baisse ist längst offenkundig, nur geschehen ist – nichts. Die "Problemignoranz der Politik", kritisiert Klaus F. Zimmermann, 53, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, habe den demografischen Wandel bislang ausgeblendet, obwohl dessen "Konsequenzen für Familien, Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme und Wanderungen" in der Wissenschaft "schon seit den 1970er Jahren diskutiert" worden seien: "Politikrelevante Stellungnahmen dazu verstopfen ganze Bibliotheken, an fertigen Konzepten fehlt es hier nun wirklich nicht."

Der Aufregungszyklus begann mit einer Falschmeldung

Deutschland ist ja kein Sonderfall, auch wenn die germanischen Demografie-Demagogen bisweilen diesen Eindruck erwecken. Renate Köcher, die Chefin des Allensbacher Instituts für Demoskopie, zeigte sich "überrascht" von dem "frivolen Umgang mit den Fakten". Der "Aufregungszyklus", so Köcher, sei nämlich durch die Falschmeldung in Gang gesetzt worden, Deutschland habe "die niedrigste Geburtenrate der Welt, ausgenommen den Sonderfall Vatikanstaat". Tatsächlich liegt die Geburtenziffer in Deutschland mit 1,36 Kindern pro Frau etwa im europäischen Durchschnitt.

Allein in der Europäischen Union haben 10 der 25 Staaten eine niedrigere Geburtenziffer, zum Beispiel Italien (1,33), Spanien (1,32) sowie Polen und Tschechien (jeweils 1,23). Damit die Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung konstant bleibt, wären – so viel Allgemeinwissen haben die Untergangspropheten inzwischen den Deutschen eingetrichtert – 2,1 Kinder je Frau nötig. Aber Babymangel herrscht in praktisch allen Industriestaaten, außer in den USA: Vor allem eingewanderte Latinos und Fundamental-Christen heben dort den Durchschnitt auf 2,07 Kinder pro Frau.

Dass sich deutsche Politiker so lange um das Thema Demografie herumdrückten, mag an der Geschichte dieses Fachs gelegen haben. Schon 1932 wies Friedrich Burgdörfer, Direktor der Abteilung Bevölkerungsstatistik des Reichsamtes Berlin, in seinem Hauptwerk "Volk ohne Jugend" auf den drohenden Verlust der "physischen Kraft und Gesundheit des Volkskörpers" hin und machte dafür "Geburtenschwund und Überalterung" verantwortlich. Die Reichshauptstadt Berlin, die 1925 rund 4 Millionen Einwohner zählte, werde auf 1,5 Millionen im Jahr 1985 schrumpfen.

Durch den Rassenwahn der Nationalsozialisten, die, sich auf Burgdörfers Thesen stützend, "arische" Frauen mit "Mutterkreuzen" dekorierten, wenn sie dem "Führer" viele Kinder schenkten, war jegliche Bevölkerungspolitik für lange Zeit diskreditiert. Gefruchtet hat die Blut-und-Boden-Propaganda übrigens kaum: Die Jahrgänge, die ihre Kinder in den dreißiger Jahren zur Welt brachten, blieben im Mittel bei 1,9 Kindern.

Erst 1996 wurde das Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDF) gegründet, "aus der Erkenntnis heraus, dass ein Mangel an demografischer Forschung herrschte", wie sich Gründungsdirektor Vaupel erinnert: "Damals gab es in Deutschland nur drei Professoren für Demografie, weniger als in Finnland." Völkischer Tendenzen ist das Institut unverdächtig – an der Spitze steht neben dem Amerikaner Vaupel der Norweger Jan M. Hoem, 67, der vom internationalen Fachverband als "Demograf des Jahres 2006" ausgezeichnet wurde.

Die "Rushhour des Lebens" entzerren

Die Hansestadt an der Ostsee hat sich mittlerweile als deutsches Mekka der Bevölkerungswissenschaft etabliert. Die Universität Rostock richtete zwei Demografie-Lehrstühle ein und bietet die volle Ausbildung zum Demografen über die Stufen Bachelor und Master bis zur Promotion an. Im Oktober 2004 gründeten MPIDF und Uni als gemeinsame interdisziplinäre Einrichtung das "Rostocker Zentrum für Demografischen Wandel", das sich als Wissensvermittler für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft versteht.

Was angesichts der aktuellen Bevölkerungsentwicklung getan werden müsste, fasst das Zentrum in einem Satz zusammen: Das Altern der Gesellschaft erfordere "Anpassungen in der Gestaltung des Lebenslaufs, im gesellschaftlichen Miteinander, in den sozialen Sicherungssystemen, in der Beschäftigtenstruktur".

Das heißt beispielsweise:

• Um es jungen Paaren zu erleichtern, Familien zu gründen und Kinder zu bekommen, muss die Lebensarbeitszeit flexibler gestaltet werden: kürzere Ausbildung, gestufte Abschlüsse mit beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, bezahlte Auszeiten für die Kindererziehung, begleitet von lebenslanger Weiterbildung; dadurch kann die "Rushhour des Lebens" entzerrt werden, wie Soziologen jene Jahre zwischen Ende 20 und Mitte 30 nennen, in denen sich bislang Kinderwunsch und Karriere oft im Weg stehen.

• Wenn schon die Schrumpfung vieler Städte und die Entvölkerung ganzer Regionen nicht aufzuhalten ist, sollten Rückbau und Rückzug wenigstens planvoll betrieben werden; in den dünn besiedelten Regionen müssen neue Infrastrukturen geschaffen werden, die eine Grundversorgung gewährleisten, und wo der Staat sich mangels Masse zurückzieht, muss bürgerschaftliches Engagement die Lücken füllen.

Zunächst aber ist aufzuräumen mit Vorurteilen und Halbwahrheiten. Das Katastrophengeschrei der Panikmacher und die Propaganda der Versicherungsunternehmen, die sich ein großes Geschäft mit der Privatvorsorge versprechen, haben dazu geführt, dass mittlerweile niemand so viel Angst vor Armut im Alter hat wie die Deutschen. Fast nirgendwo sonst in Europa herrscht so viel Pessimismus beim Blick in die Zukunft, ermittelte im Frühjahr das Bielefelder Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid. Die Umfrage-Ergebnisse, sagt Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner, seien "nahezu schon depressiv".

"Mit der Realität" habe die verbreitete "Methusalem-Hysterie wenig zu tun", behauptet der Ökonom und Unternehmensberater Nicholas Strange, 59: "Bloße Fakten, die womöglich beruhigend wirken, stören nur den Gruselgenuss." Der Brite mit deutschem Pass rechnet in einem neuen Buch ("Keine Angst vor Methusalem!") vor, "warum wir mit dem Altern unserer Bevölkerung gut leben können".

Der Krieg der Generationen fällt aus

Vor allem muss eine alternde Bevölkerung keinen "Kampf der Generationen" provozieren (so der Titel eines 2004 veröffentlichten Buches des Gießener Soziologen Reimer Gronemeyer, 67, der als "wissenschaftlicher Fachberater" für das ZDF-Spektakel angeheuert war). Zwar gebe es "offene Fragen der Verteilung von Ressourcen auf die Lebensalter", bestätigt der Altersforscher Paul B. Baltes, 67, Leiter des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Aber es werde, davon ist er überzeugt, "nie zu einem wirklichen Krieg der Generationen kommen".

Die "Psychologie der Generationen" sei vielmehr, so Baltes, "auf wechselseitige Harmonie angelegt" – die Jungen wüssten ja, dass sie selbst mal alt werden, die Alten erinnerten sich an ihre eigene Jugend. Die Senioren dächten "intensiv an die nachfolgenden Generationen" und seien bereit, "durch Bescheidung zu deren Wohlfahrt beizutragen".

Langes Leben sei doch ein "Geschenk", betont auch Demograf Vaupel: "Erstmals in der Geschichte der Menschheit" könnten "die meisten erleben, wie ihre Kinder und Enkel aufwachsen". Nein, der demografische Wandel stelle keine Gefahr dar, versichert Vaupel – "gefährlich" sei "nur, ihn zu ignorieren".

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