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Der Aufsichtsrat

aus DER SPIEGEL 8/1994

wird sich am Donnerstag auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Metallgesellschaft (MG) schwere Vorwürfe der Aktionäre gefallen lassen müssen. Immer mehr Indizien sprechen dafür, daß vor allem Ronaldo Schmitz, seit Februar 1991 im Vorstand der Deutschen Bank und seit März 1993 Aufsichtsratsvorsitzender der Metallgesellschaft, sehr viel früher als bisher bekannt von der sich anbahnenden Schieflage des Konzerns wußte. Einige Aktionäre fordern deshalb, die beantragte Sonderprüfung gegen den alten MG-Vorstand auch auf die Arbeit des Aufsichtsrats auszudehnen.

Merkwürdig immerhin ist, daß eine Studie der DB Research, einer Tochter der Deutschen Bank, von Ende 1992, die sich kritisch über Lage und Kapitalverbrauch der Gesellschaft ausließ und zum Verkauf der Aktie riet, nie veröffentlicht wurde. Zuvor hatte sich Ex-MG-Chef Heinz Schimmelbusch bei Schmitz über die Analyse beschwert. Anschließend fand ein Gespräch zwischen der MG-Spitze und den - eigentlich unabhängigen - DB-Analysten statt. Offizielles Ergebnis: Die Studie wurde wegen »einiger offener Fragen« nicht publiziert.

Engeren Kontakt hatten Schmitz und Schimmelbusch schon mindestens seit Mitte 1991, als der Banker für den MG-Chef den Kauf der Firma Feldmühle Nobel arrangierte. Mit diesem schönen Milliarden-Geschäft hatte Schmitz einen guten Einstand im Vorstand der größten Bank. Zudem planten beide Gesellschaften, im Ölterminhandel zusammenzuarbeiten: Die Deutsche Bank wollte die Ölgeschäfte vermitteln und für das Marketing sorgen, MG sollte »Geschäftspartner« für diese Kontrakte, so der Bankprospekt, werden. Diese Kooperation präsentierte die Abteilung von Schmitz bei vielen Großkunden der Bank noch bis in den Sommer 1993 hinein.

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