Der Markt-Forscher RWE - Großer Fisch im Wasser

Mit der Übernahme von Thames Water ist RWE zum Global Player in der Wasserindustrie aufgestiegen. In Deutschland merkt man allerdings noch wenig vom Wettbewerb.
Von Felix Asch

Dafür, dass "die Deutschen" etwas so Britisches wie das "Wasser der Themse" gekauft haben, waren die Reaktionen erstaunlich gemäßigt. Die sonst so beliebten Worte "Pickelhaube" und "German tanks" wurden in der britischen Boulevardpresse jedenfalls nicht bemüht, als diese Woche die Übernahme des Wasserversorgers Thames Water durch RWE bekannt wurde. Dass dieser Unternehmenskauf nicht einmal einen Sturm im Wasserglas auslöste, zeigt, wie sehr die Wasserversorgung als Industriezweig heute noch unterschätzt wird.

Mit Trinkwasser und Abwasser werden weltweit rund 350 Milliarden Mark pro Jahr umgesetzt - das ist mehr, als die gesamte deutsche Autoindustrie im vergangenen Jahr erwirtschaftete. Ein Viertel davon fließt schon heute durch die Rohre privater Unternehmen, in erster Linie in Frankreich und Großbritannien. Europäische Wasserkonzerne versorgen auch 150 Millionen Menschen außerhalb Europas, die neue RWE-Tochter zum Beispiel in Puerto Rico, Thailand oder Neuseeland.

Die Wasserwirtschaft ist eine globale Industrie, und mit RWE ist endlich auch ein deutscher Konzern im Weltmaßstab engagiert. Doch in Deutschland ist davon noch wenig zu spüren. Hier gibt es über 6000 Wasserversorger, in erster Linie kleinste kommunale Unternehmen. Nur fünf Prozent des deutschen Wassermarktes sind in privater Hand. Die deutschen Verbraucher zahlen die höchsten Preise in Europa, haben aber auch die höchste Wasserqualität. Klingt wohlvertraut nach einem Wirtschaftszweig, dem die Deregulierung bevorsteht. Einsparungsmöglichkeiten und Wettbewerbschancen liegen auf der Hand. Also Blaupause aus dem Stromsektor hervorholen und los geht's?

Das wird so einfach nicht funktionieren. Wettbewerb im Wassergeschäft kann nicht bedeuten, dass man sich als Kunde den billigsten Lieferanten aussucht - und ab nächste Woche schickt der dann das nasse Element ins Haus. Anders als beim Strom kann Wasser aus technischen und chemischen Gründen nicht einfach von Rostock nach Freiburg "durchgeleitet" werden. Wettbewerb um den Wasserkunden heißt, dass mehrere Unternehmen um das Recht kämpfen, der alleinige Wasserlieferant in einem Gebiet zu werden. Wenn die Privatisierung in einem solchen Fall nicht mit großem ökonomischen Geschick vorbereitet wird, kann der Schuss nach hinten losgehen. Nicht wenige Privatisierungen der Wasserversorgung enden mit steigenden Preisen und mangelhafter Qualität. So könnte man das ganze Konzept der Entstaatlichung der Wirtschaft in Misskredit bringen.

Doch der deutsche Markt ist im Weltmaßstab ohnehin höchstens ein mittlerer Fisch. In vielen "Emerging Markets" werden private und profitorientierte Investoren für die Wasserwirtschaft händeringend gesucht, weil der öffentlichen Hand das Geld für den Aufbau der Versorgung fehlt. Auch für die deutschen Konzerne geht es weit mehr darum, außerhalb Deutschlands Fuß zu fassen, wenn sie im Wassergeschäft nicht nur Freischwimmer bleiben wollen. RWE hat mit Thames Water als Erste einen echten Schritt in diese Richtung getan. Unaufhaltbar scheint seit dieser Woche jedoch ein anderer deutscher Wettbewerber: Die e.on-Tocher Gelsenwasser hat sich die Grüne Gunda Röstel ins Management für Wasserprojekte geholt. Wer soll diese Firma jetzt noch stoppen?