Der Marktforscher UMTS - Wer wird das bezahlen?

Die Auktion ist vorbei. Für den Gegenwert einer UMTS-Lizenz könnte man ganze Konzerne kaufen. Wer wird diese kaum vorstellbaren Summen letztlich zahlen?

Von Felix Asch


Eine Kette von Hundert-Mark-Scheinen fast vier Mal rund um den Globus - das entspricht den hundert Milliarden Mark, die für die UMTS-Lizenzen fällig sind. So wird diese kaum zu glaubende Zahl schon etwas greifbarer. So hat man jetzt den Zuschlag vom Behördenchef Scheurle und darf jetzt den Geldhahn gleich noch weiter aufdrehen.

Denn mit den Lizenzen ist das Geldausgeben für UMTS noch nicht vorbei. Die Milliarden müssen in den nächsten zehn Tagen nach der Auktion bezahlt werden. Um dies zu schaffen, muss der Anleihemarkt beansprucht werden, das heißt, man muss über lange Zeit Zinsen für 15 bis 20 Milliarden Mark bezahlen. Die Bonität der UMTS-Bieter ist auf Grund der Auktionssummen herabgestuft worden, so dass auch für andere Finanzierungen jetzt mehr Zinsen bezahlt werden müssen. Und schließlich müssen die Netze für die neue Technologie erst aufgebaut werden, denn mit einer Lizenz allein ist noch kein Geschäft zu machen.

Woher wird nun das Geld für die Lizenzen kommen, für dessen Verwendung sich täglich neue Empfänger melden? Wird der Verbraucher über höhere Preise für normale Handytelefonate die Zeche zahlen? Das ist unwahrscheinlich, denn Kosten für Lizenzen sollten als so genannte "versunkene Kosten" die Entscheidungen über die Preise weitgehend unberührt lassen. Dem Verbraucher drohen höhere Preise nur, wenn Anbieter Pleite gehen und der Mobilfunk-Wettbewerb weniger hart wird. Werden die Aktionäre der in Mainz erfolgreichen Firmen zur Kasse gebeten? Die dauerhaft verschlechterte Ertragssituation der Mobilfunkfirmen wird sich mit Sicherheit weiter in den Aktienkursen niederschlagen und die Anteilseigner Geld kosten.

Wird der Technologiestandort Deutschland mit seiner gut entwickelten Mobilfunkindustrie durch die hohen Lizenzkosten zurückgeworfen, wie mancherorts gemahnt wurde? Sicher nein, denn für die siegreichen UMTS-Bieter kann es jetzt nichts Wichtigeres geben, als möglichst schnell mit der neuen Technologie auf dem Markt zu sein und Umsätze zu machen. Die Verbraucher müssen so schnell es geht zum mobilen Internetsurfen, zum Bezahlen per Handy und zum Videoschauen auf der grünen Wiese verführt werden. Diese Dienste werden sicher teurer als reines mobiles Telefonieren, aber nicht wegen der Lizenzgebühren.

Die Hoffnung liegt also darin, einen riesigen Markt zu schaffen, der locker hundert Milliarden wert ist. Wenn man es genau überlegt: 25 Millionen Handybenutzer gibt es heute in Deutschland - wenn die ein Jahr lang täglich für 45 Minuten zu heutigen Preisen ihr Mobiltelefon benutzen, sind hundert Milliarden Umsatz gemacht - das müsste mit ein wenig Quatscheritis und Surfen unterwegs doch zu schaffen sein!



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