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Der Schurke

aus DER SPIEGEL 2/1995

in einem der spannendsten Wirtschaftskrimis ist noch nicht überführt: Hat Heinz Schimmelbusch, 50, ehemaliger Chef der Metallgesellschaft (MG), seinen Aufsichtsrat hintergangen und das Unternehmen an den Rand des Abgrunds geführt? Das behauptet Ronaldo Schmitz, 56, MG-Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsmitglied der Deutschen Bank (SPIEGEL 47/1994). Oder suchte Schmitz nur nach einer Gelegenheit, um den unbequemen MG-Chef loszuwerden und das Unternehmen unter seinen Einfluß zu bekommen? Und wer von beiden ist für die Milliardenverluste aus den umstrittenen Ölgeschäften der US-Tochtergesellschaft MG Corp. verantwortlich? Schimmelbusch wurde wegen dieser Geschäfte im Dezember 1993 fristlos gefeuert. Die Ölkontrakte wurden liquidiert.

Die Ölhändler der MG hatten langfristige Lieferverträge über kurzfristige Terminkontrakte gesichert. Als der Ölpreis fiel, mußten sie für die Sicherungsgeschäfte Geld nachschießen und gerieten in Liquiditätsschwierigkeiten. US-Ökonomen wie der Nobelpreisträger Merton Miller werfen Schmitz vor, diese Geschäfte nicht richtig verstanden und durch übereilte Verkäufe die Verluste erst verursacht zu haben. Schmitz dagegen vergleicht Schimmelbuschs Verhalten mit dem eines Spielers im Kasino.

Der ehemalige MG-Chef, der dem Konzern 20 Jahre angehörte, 12 davon im Vorstand, will um seine Rehabilitation kämpfen. Heute leitet er die Safeguard International Group, eine Tochtergesellschaft der US-Gesellschaft Safeguard Scientifics. Das Unternehmen will junge High-Tech-Unternehmen, vornehmlich aus Osteuropa, zur Börsenreife führen. Schimmelbuschs neue Firma hat sieben Mitarbeiter. Er habe 1994 seine Zielvorstellung ändern müssen, sagt er: »Ich will versuchen, ein kleines und sinnvolles Unternehmen aufzubauen.«

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