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MOBILFUNK »Der Wettbewerb hat versagt«

Thorsten Dirks, 43, Chef des Mobilfunkunternehmens E-Plus, über die von der EU geforderte Senkung der Handy-Tarife bei Auslandsgesprächen
aus DER SPIEGEL 16/2007

SPIEGEL: Nach dem EU-Ministerrat hat vergangene Woche auch der zuständige Ausschuss des EU-Parlaments eine drastische Senkung der Handy-Tarife bei Auslandsgesprächen beschlossen. Wann werden die Verbraucher über die Grenzen hinweg billiger telefonieren können?

Dirks: Wir von E-Plus haben uns schon lange für niedrigere Gebühren eingesetzt, sind aber immer am Widerstand der Branchenriesen gescheitert. Ich hoffe, dass die Preise jetzt spätestens im Herbst sinken werden. Denn wenn im Juni der endgültige EU-Beschluss gefasst wird, haben die Firmen ja noch ein paar Wochen Zeit für die Umsetzung. Diese Frist werden wir aber nicht ausschöpfen, sondern auf eigenes Risiko schon früher günstigere Tarife anbieten.

SPIEGEL: Wie weit werden die Gebühren für Auslandsgespräche fallen?

Dirks: Sie werden irgendwo zwischen 40 und 50 Cent pro Minute für eigene Anrufe und zwischen 15 und 20 Cent für ankommende Gespräche liegen. Dazu kommt die jeweilige Mehrwertsteuer.

SPIEGEL: Sind die harten Maßnahmen der EU die Quittung für die starre Haltung der Branche?

Dirks: Eindeutig ja. Die Großen der Branche haben jahrelang mitgenommen, was mitzunehmen ist. Da hat der Wettbewerb einfach versagt. Genau wie auf dem Energiemarkt muss die Politik nun auch auf dem Telekommunikationsmarkt die Branchenriesen in die Schranken weisen.

SPIEGEL: Wie hart trifft der Beschluss Ihre Branche? Der Verband behauptet, Minutenpreise von 65 Cent seien die Untergrenze, um profitabel zu bleiben.

Dirks: Das sind Lobby-Zahlen, die mit der Realität wenig zu tun haben. Auch wir haben nichts zu verschenken, aber Gewinnmargen von 30 bis 45 Prozent zeigen, dass die Mobilfunkfirmen immer noch gut verdienen. Und daran wird sich auch durch die EU-Beschlüsse grundsätzlich wenig ändern. Auslandsgespräche machen ja nur 10 bis 20 Prozent der Gebühreneinnahmen aus.

SPIEGEL: Wie werden sich die Firmen künftig unterscheiden, wenn die Preise festgelegt sind?

Dirks: Im Auslandsbereich wird das Angebot tatsächlich ziemlich einheitlich werden. Aber es gibt ja viele andere Bereiche, um sich zu profilieren. Wir haben jedenfalls noch einiges im Köcher.

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