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HYPOVEREINSBANK Desaster mit Immobilien

aus DER SPIEGEL 15/2000

Auch in Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut brodelt es heftig: Bei der HypoVereinsbank (HVB) ist das Immobiliengeschäft eingebrochen. Während die Branche nur einen leichten Rückgang verzeichnete, ging bei Europas größtem Baufinanzierer das Neukundengeschäft wesentlich stärker zurück. In der Hypothekenabteilung der Bank sind die Jobs von 500 Fachleuten gefährdet. Die HVB versucht die Unruhe in der Belegschaft zu dämpfen: Nur »Stellenverschiebungen« seien geplant, keine Entlassungen. Zudem droht der HVB im Immobiliengeschäft möglicherweise ein weiterer Wertberichtigungsbedarf in Milliardenhöhe. Vor dem Landgericht Würzburg hat die Bank kürzlich sieben Musterprozesse gegen Käufer von Eigentumswohnungen verloren: Die Käufer hatten mit Wissen der Münchner Hypobank stark überteuerte Wohnungen gekauft, die von dem Geldhaus mit bis zu 160 Prozent ihres Werts finanziert wurden. Das Würzburger Gericht verurteilte die HVB zur Rückabwicklung der Kaufverträge: Die Bank muss die Käufer finanziell so stellen, als ob sie die Immobilie nicht erworben hätten. In den seit Jahren laufenden Verfahren dreht sich die Rechtsprechung zu Gunsten der Kreditnehmer. Die Zahl der ehemaligen Hypo-Kunden, die hohe Verluste erlitten, wird auf mindestens 30 000 geschätzt. Allein der Göttinger Anwalt Reiner Fuellmich, der die Prozesse in Würzburg gewann, vertritt über 2000 Mandanten, die gegen die HVB als Nachfolgeinstitut der Hypobank klagen.

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