Designierter Weltbank-Chef Zoellick Bushs stiller Idealist

Robert Zoellick soll neuer Präsident der Weltbank werden. Viele Deutsche kennen ihn als freundlichen Chefunterhändler der Wiedervereinigung. Doch auch Zoellicks Maxime lautet "America first". Er vertritt dieses Ziel nur höflicher und geschickter als George W. Bush.

Von , New York


New York - Robert Zoellick wird der erste Weltbank-Präsident sein, der sein Amt mit einem Bundesverdienstkreuz antritt. Seine Vorgänger John McCloy und Jim Wolfensohn bekamen es auch - allerdings erst später. Zoellick trägt es schon jetzt, für seine Bemühungen um die deutsche Einheit. Als US-Chefunterhändler bei den Zwei-plus-vier-Gesprächen mit den Alliierten hatte er 1990 kräftig das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen hoch gehalten. Sie dankten es ihm mit dem Orden.

In Deutschland gilt Zoellick - den Bush heute als Nachfolger des kontroversen Paul Wolfowitz als Weltbank-Chef nominieren wird - als Freund, als "Atlantiker" und Brückenbauer. Seine Verbundenheit mit Berlin hat er einmal bei einer Festrede im Konzerthaus am Gendarmenmarkt beschrieben, und zwar als gemeinsame, deutsch-amerikanische Zukunftsvision: "Der Übergang unseres Zeitalters zu Wohlstand, Sicherheit und Hoffnung für Hunderte von Millionen Menschen auf der Erde, die die gleichen Träume träumen wie wir."

Schöne Worte von dem designierten obersten Kreditgeber der Welt. Schnell wurde seine Nominierung als Punktsieg für die Moderaten interpretiert. Denn er galt als Lieblingskandidat der Europäer, der Entwicklungsländer, selbst der Weltbank-Kritiker. Seine Benennung könnte also als Versöhnungsgeste von US-Präsident George W. Bush verstanden werden. Doch Zoellick, 53, weiß, was er will. Sprich: Was sein Dienstherr in Washington will.

Rechte Hand des Krisenbewältigers

US-Präsident Bush und der designierte Weltbank-Chef Zoellick (rechts): Gemeinsam gegen das Böse
REUTERS

US-Präsident Bush und der designierte Weltbank-Chef Zoellick (rechts): Gemeinsam gegen das Böse

Schließlich ist er ein alter Freund der Bush-Familie - und teilt deren Überzeugung von Amerika als heute einzig berufene Weltmacht. Zoellick, der als Abkömmling deutscher Vorfahren in Illinois aufwuchs, war ein Protegé von James Baker, dem Dauer-Krisenbewältiger des Bush-Clans und US-Außenminister unter Bush I. Als Bakers rechte Hand klopfte der Jungdiplomat bei den besagten Zwei-plus-vier-Runden die außenpolitischen Bedingungen der deutschen Einheit im Sommer 1990 mit fest.

Als Bush-Junior, damals noch Gouverneur von Texas, das Weiße Haus anpeilte, saß Zoellick in einem intimen Beraterkonzil unter Führung der späteren Sicherheitsberaterin und Außenministerin Condoleezza Rice. Sie nannten sich "The Vulcans" und versuchten, Bush Junior etwas Weltgewandtheit einzutrimmen.

Der Junior revanchierte sich bei Zoellick, indem er den Harvard-Absolventen erst als Handelsbeauftragten und anschließend als Vize-Außenminister in seine Regierung holte. 2005 war Zoellick schon mal kurz auch für den Präsidentenposten der Weltbank im Gespräch. Doch Bush gab seinerzeit dem Neokonservativen Wolfwowitz den Vorzug, dem Architekten des Irak-Kriegs, den er irgendwie schnell aus dem Pentagon wegloben musste.

"Es gibt in der Welt weiter das Böse"

An Zoellicks ideologische Justierung scheiden sich jedoch die Geister. Konservative beschreiben ihn als "Mann der Mitte" ("Berliner Morgenpost") und als Verfechter internationaler Allianzen. Linke dagegen sehen in ihm einen Neokonservativen - wenn auch unideologisch und pragmatisch verkappt. Zumindest aber als einen ihrer stillen Sympathisanten in der Sache.

"Moderat" sei Zoellick allenfalls im Vergleich zu Wolfowitz und dessen einstigem Staatssekretär Douglas Feith, dem Vorzeigemann der Neocons, schreibt Tom Barry, der Direktor des linksgerichteten International Relations Center. Zoellick selbst "akzeptiert die neokonservative Prämisse globaler US-Vorherrschaft", wisse aber, diese Vorherrschaft "weise zu managen".

Kein Ideologe also, doch ein Idealist: Schon ein Jahr vor Bushs Amtsantritt im Januar 2001 formulierte Zoellick seine Vorstellungen von einer "republikanischen Außenpolitik", in einem Essay fürs Fachblatt "Foreign Affairs". Gestützt auf ihre militärische Überlegenheit, so sah er die Ereignisse der folgenden Jahre voraus, werde die USA die künftige Weltordnung prägen. "Eine moderne republikanische Außenpolitik", schrieb er damals, "erkennt, dass es in der Welt auch weiter das Böse gibt." Besser hätte es auch Bush nicht sagen können.

Bei Goldman fündig geworden

Fest steht: Unter beiden Bushs kämpfte Zoellick konsequent für die Liberalisierung des Welthandels - seine eigene Art des Kriegs gegen das "Böse". Er half, die Uruguay-Runde zu retten. Er bugsierte das Nafta-Abkommen aus der Krise. Er senkte die Handelsschranken zur Dritten Welt, was ihm nun im Rennen um den Weltbank-Posten zu Gute kam, wo sein Name in Afrika, Lateinamerika und Asien wohl viel Zuspruch fand. Er brachte China in die Welthandelsorganisation WTO - eine Leistung, auf die er selbst ganz besonders stolz war.

Die humanitäre Katastrophe von Darfur war ihm zuletzt aber das wichtigste Anliegen. "Nicht unter unserer Wacht", stand auf einem Armband, das er während eines Besuchs in einem Flüchtlingslager trug. Insgesamt viermal reiste er in den Sudan und war voriges Jahr an der Aushandlung eines Friedensabkommens mit den Rebellen dort beteiligt. Er galt als eine der stärksten Stimmen Washingtons in Darfur.

Seiner politischen Aussichten müde, kehrte Zoellick jedoch im Juli 2006 der Regierung den Rücken, um in die lukrativere Privatwirtschaft zu wechseln. Er ging als internationaler Chefberater zur Investmentbank Goldman Sachs. Dort hatten in der Vergangenheit häufig ausgebrannte Regierungsmitlgieder einen Job gefunden.

Als Bush seinen Finanzminister Henry Paulson - den vormaligen Goldman-CEO - mit der Suche nach einem Wolfowitz-Nachfolger beauftragte, war es daher keine große Überraschung, dass der nun bei seiner alten Firma fündig wurde.



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