Details I Scheinunternehmen und "Schutzgelder"

Nach Ansicht der EU-Anwälte wollten Philip Morris und R.J. Reynolds durch die "aktive" Teilhabe am Schmuggel ihre Schwarzmarktanteile ausweiten. Dazu seien Extraunternehmen gegründet und beim Hersteller selbst Zigaretten und Verpackungen falsch oder gar nicht ausgezeichnet, falsche Rechnungen und falsche Lieferscheine ausgestellt worden. Die US-Firmen und ihre Mitarbeiter hätten Zahlungsweisen akzeptiert, bei denen die Herkunft der Gelder nicht mehr festgestellt werden kann. Viele Lieferungen seien über schweizerische Bankkonten abgerechnet worden, um Schmuggler vor Nachforschungen zu schützen.

Die Anklageschrift verweist auf die Jahresprämien für die Firmenmitarbeiter, mit denen sie auf hohe Umsätze verpflichtet worden seien, die auch aus dem Zigarettenschmuggel stammen konnten. Außerdem wollen die EU-Anwälte nachweisen, dass RJR-Angestellte sich von Schmugglern für "Gebietsschutz" schmieren ließen. Schmugglerbanden, die ihre Grenzen überschritten oder sich von der Polizei erwischen ließen, wurden angeblich von Firmenmitarbeitern mit Lieferstopp für neue Zigaretten bedroht und mussten hohe Strafen zahlen.