Detektiv-Offensive Lidl ließ mehr als 500 Filialen überwachen

Im Spitzelskandal bei Lidl werden erste Details bekannt. Laut baden-württembergischem Innenministerium ließ der Discounter mehr als 500 Filialen von Detektiven überwachen. Datenschützer drohen mit einem Bußgeld von bis zu 250.000 Euro.

Stuttgart - Erste Fortschritte bei der Aufklärung der Lidl-Spitzelaffäre: Nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) hat der Discounter Lidl mehr als 500 Filialen in mehreren Bundesländern von Detekteien überwachen lassen.

Die Aufträge hätten mehr als 30 rechtlich selbstständige Regionalgesellschaften des Unternehmens erteilt. Das erklärte Rech auf Anfrage eines Grünen-Landtagsabgeordneten in Stuttgart.

Rech berief sich bei seinen Angaben auf Daten, die Lidl den Datenschützern des Landes mitgeteilt habe. Es ist das erste Mal, dass eine konkrete Zahl von Spitzelfällen genannt wird. Die Überwachungsmaßnahmen hätten sich dem Discounter zufolge "nicht vorrangig gegen Mitarbeiter gerichtet", sagte Rech. Genau das legen jedoch die Dokumente nahe, die der "Stern" im April veröffentlicht hatte. Demnach haben die von Lidl beauftragten Detekteien intimste Details aus dem Privatleben der Supermarkt-Mitarbeiter protokolliert.

Lidl selbst erklärte, es gehe konkret um 585 Filialen. Dabei seien die Verkaufsräume zum Schutz vor Ladendieben mit sichtbaren Kameras kontrolliert worden, sagte eine Sprecherin. "Nur in einem Teil der 585 Filialen kam es zur Protokollierung von mitarbeiterbezogenen Daten."

Datenschützer untersuchen derzeit, ob der Discounter wegen der Bespitzelungsaffäre ein Bußgeld zahlen muss. Eine Entscheidung werde in einigen Wochen erwartet, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart. Verstöße gegen das Datenschutzgesetz können mit bis zu 250.000 Euro bestraft werden.

Lidl hatte rund 50 Fragen der Datenschützer nach Bekanntwerden der Vorwürfe mit umfangreichem Material beantwortet. Außerdem habe die Aufsichtsbehörde mehrere Lidl-Filialen unangemeldet kontrolliert, teilte Rech mit.

Der Discounter arbeitet derzeit mit dem früheren Bundesdatenschutzbeauftragten Joachim Jacob an einem neuen Sicherheitskonzept. Außerdem hat Lidl laut Berufsverband Deutscher Detektive (BDD) zugesagt, sich bei der künftigen Auswahl von Detekteien an den Standards des Verbands zu orientieren. Zudem sollten vom BDD angebotene Fortbildungsseminare zur Schulung von Lidl-Mitarbeitern genutzt werden.

wal/dpa-AFX