Zur Ausgabe
Artikel 44 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

UNTERNEHMER Detektivische Kleinarbeit

MobilCom-Gründer Schmid zeigte sich bei seinem privaten Insolvenzverfahren wenig kooperationsbereit. Hat er Teile seines Vermögens beiseite geschafft?
Von Frank Dohmen und Klaus-Peter Kerbusk
aus DER SPIEGEL 18/2004

Noch vor wenigen Jahren brauchte Gerhard Schmid viel Zeit und Papier, um sein Vermögen zu addieren. Gigantische Aktiendepots und Privatkonten bei diversen Banken, zahlreiche Grundstücke, Bauprojekte und Firmenbeteiligungen summierten sich für den Gründer der Büdelsdorfer Handyfirma MobilCom zu stattlichen Milliardensummen.

Die aktuelle Vermögensaufstellung fällt dagegen bescheiden aus. Auf wenigen Zeilen hat Schmids Insolvenzverwalter Jan H. Wilhelm in einem vertraulichen Bericht vom 26. Februar zusammengefasst, was er knapp ein Jahr nach Beginn des Insolvenzverfahrens zusammenkratzen konnte, um die Millionenschulden des einstigen Börsenstars zu decken.

Und das ist nicht viel. Zum Stichtag 25. Februar betrug der Massebestand laut dem Bericht, der Banken und anderen Gläubigern vorliegt, exakt 61 413,77 Euro. Darunter 3000 Euro aus dem einzigen Privatkonto, das noch ein Guthaben aufwies - bei der Sparkasse Fichtelgebirge. Die größten Vermögensteile, mehr als 20 Millionen MobilCom-Aktien, hatten sich die Banken längst gesichert. Ob weitere Mittel zur Konkursmasse hinzukommen, ist völlig offen - wie vieles andere auch im Fall des gescheiterten Firmengründers.

Schmid, 51, der im Februar 2003 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein persönliches Insolvenzverfahren beantragte, zeigte von Anfang an wenig Kooperationsbereitschaft. Immer wieder verweigerte er wichtige Auskünfte wie Angaben über Miet- und Pachteinnahmen oder über seine Einkünfte aus beruflicher Tätigkeit. »Trotz zahlreicher Aufforderungen«, moniert der Anwalt in dem Bericht, habe Schmid den »Fragenkatalog in vollkommen unzureichender Art und Weise und zum Teil gar nicht beantwortet«.

So sollen unter anderem ein Flugzeug vom Typ »Fairchild Merlin« und Anzahlungen für zwei weitere Maschinen in den Aufstellungen des Managers nicht aufgetaucht sein und mussten in detektivischer Kleinarbeit ermittelt werden. Im Zuge der Recherchen stieß der Insolvenzverwalter auch auf 17 Konten, von denen Schmid angeblich keine Unterlagen mehr hat - darunter eines in Liechtenstein, auf das Schmid noch im September 2002 eine halbe Million Euro überwiesen haben soll. Schmid bestreitet das. Unterlagen zu Flugzeugen habe er bereits im Juli 2003 übergeben, und Konten in Liechtenstein habe er nicht.

Dubios wirkten auch die Transaktionen, mit denen der MobilCom-Gründer drei Privatfirmen in eine Liechtensteiner Briefkastenfirma namens Barezzi Trust verschob. An den erst im September 2002 gegründeten Trust hatte Schmid Ende 2002 die Magdeburger Handelsfirma Mag Tel, die Firma Bürosysteme Nord sowie das Inkassounternehmen MFI für insgesamt eine halbe Million Euro übertragen.

Abgesehen davon, dass die Unternehmen nach Ansicht des Insolvenzverwalters einen »wesentlich höheren Wert« hatten, wurde das Geld nach dessen Erkenntnissen nie gezahlt. Schmid hält dagegen: Die Verkäufe an den Barezzi Trust seien per notariellen Vertrag abgewickelt worden - er selbst sei an dem Trust nicht beteiligt.

Merkwürdig nur, dass er der Briefkastenfirma auch seine Beteiligung an der Oldenburger Software-Schmiede Red Dot Solutions AG für drei Millionen Euro übertragen wollte und zeitweise auch als Geschäftsführer bei einer von Barezzi gegründeten Lottofirma auftrat.

Klärungsbedürftig waren nach Ansicht des Insolvenzverwalters auch die Vorgänge um den Verkauf des Gestüts mit etwa 35 Turnierpferden, die Schmid auf dem Höhepunkt seiner Karriere erworben hatte. Den ganzen Stall, der inzwischen vom niederländischen Pferdehändler Jan Tops weiterverkauft wurde, hatte Schmid für nur 500 000 Euro auf einen Liechtensteiner Trust namens Leoncavallo übertragen - dabei waren schon einzelne Tiere wie das Springpferd Goldika nach Ansicht von Experten mehr als eine halbe Million Euro wert.

Selbst diesen Spottpreis behielt Schmid nicht selbst, sondern reichte das Geld laut Bericht an seine Ehefrau Sybille Schmid-Sindram weiter. Seine Gattin habe noch Ansprüche gegen ihn gehabt, erklärte Schmid dem Insolvenzverwalter.

Mit Ausflüchten mochte der sich schließlich nicht mehr hinhalten lassen. Ende März musste Schmid deshalb eine »eidesstattliche Versicherung über die Richtigkeit und Vollständigkeit« seiner Auskünfte abgeben. Jetzt, sagt Schmid, sei der Bericht des Verwalters überholt. Denn bei seiner Vernehmung in Flensburg habe er alle offenen Fragen beantwortet und auch Vollmachten zur Konteneinsicht erteilt.

Viel anderes wäre ihm wohl auch nicht übrig geblieben. Denn Anwalt Wilhelm hatte bereits im Vorfeld der Vernehmung schweres Geschütz aufgefahren: Sollten die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, heißt es in einem Begleitschreiben zu seinem Bericht, »wäre selbst die Anordnung von Beugehaft verhältnismäßig«. FRANK DOHMEN, KLAUS-PETER KERBUSK

Zur Ausgabe
Artikel 44 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.