Detroit in der Krise Obama lehnt Sanierungspläne der US-Autobauer ab - GM-Chef muss zurücktreten

Rick Wagoner am Ende: Der Chef des pleitebedrohten Autogiganten General Motors tritt auf Druck der US-Regierung zurück. Präsident Obama lehnt die bisher vorgelegten Sanierungspläne von GM und Chrysler ab und fordert dringend Nachbesserungen - sonst werden die Konzerne nicht gerettet.


Detroit - Wagoner wird als Aufsichtsrats- und Vorstandschef von General Motors (GM) Chart zeigenzurücktreten - mit sofortiger Wirkung. Stellvertreter Fritz Henderson, der frühere GM-Europa-Chef, soll sein Nachfolger als Vorstandschef werden. Für den Aufsichtsratsposten ist Kent Kresa im Gespräch, der frühere Chef des Rüstungsunternehmens Northrop Grumman. Wagoner nannte Henderson die "ideale Besetzung", um die Sanierung abzuschließen. Binnen Tagen will GM außerdem über eine umfangreiche Neubesetzung seines Direktoriums entscheiden.

GM-Manager Wagoner: Rücktritt als Vorstandsvorsitzender des angeschlagenen Autobauers
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GM-Manager Wagoner: Rücktritt als Vorstandsvorsitzender des angeschlagenen Autobauers

Regierungsvertreter bestätigten, dass das Weiße Haus Wagoners Rücktritt zur Bedingung für weitere Staatshilfen gemacht hat. Präsident Barack Obama will an diesem Montag seine Rettungspläne für die Autoindustrie vorstellen - und diese enthalten offenbar noch weitere harte Einschnitte.

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Die Auto-Taskforce der US-Regierung habe die Sanierungspläne von GM und Chrysler abgelehnt, berichten die Nachrichtenagenturen AP und Reuters mit Verweis auf Regierungsinsider. Keines der Unternehmen habe einen belastbaren Plan vorgelegt, der weitere Milliarden Dollar Steuergelder wert sei, sagten ranghohe Beamte. Chrysler solle daher noch 30 Tage Zeit und Geld bekommen, der Opel-Mutterkonzern GM 60 Tage - bisher war Dienstag die Deadline für die beiden Auto-Giganten, um ein vollständiges Sanierungskonzept vorzulegen und ihre Überlebensfähigkeit nachzuweisen. Bei einem Scheitern sei auch eine Insolvenz der Konzerne nicht auszuschließen. Keiner der beiden sei nach den vorliegenden Konzepten lebensfähig.

Offiziell hatte Obama schon am Sonntagnachmittag gesagt, die beiden angeschlagenen Autokonzerne müssten mehr tun, um weitere staatliche Hilfen zu rechtfertigen. "Sie sind noch nicht so weit", sagte Obama mit Bezug auf GM und Chrysler. Es gilt als sicher, dass er bei seiner Verkündung der Pläne für die beiden Konzerne fordern wird, drastisch Kosten zu sparen und Gläubigern und Gewerkschaften Zugeständnisse abzuringen.

Sowohl GM als auch Chrysler können derzeit nur dank massiver staatlicher Hilfe in Höhe von 17,4 Milliarden Dollar überleben und benötigen weitere Unterstützung. General Motors Chart zeigen hofft nun auf 16,6 Milliarden Dollar von der US-Regierung. Chrysler benötigt eine weitere Spritze von fünf Milliarden Dollar. Von einem endgültigen Sanierungskonzept für GM hat die deutsche Bundesregierung auch Hilfen für Opel abhängig gemacht. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht am Dienstag den Autobauer in Rüsselsheim.

Die Regierung schätzt die Lage bei Chrysler noch schlechter ein als bei GM. Allein sei der Konzern nicht lebensfähig, sagten Insider den Nachrichtenagenturen. Chrysler solle bis zu sechs Milliarden Dollar erhalten, aber nur wenn die Partnerschaft mit dem italienischen Autobauer Fiat in den nächsten 30 Tagen besiegelt werden kann. Im Gespräch war bislang, dass Fiat Chart zeigen im Gegenzug für einen weitgehenden Technologietransfer einen Anteil von 35 Prozent an dem US-Autobauer erhält. Sollten diese Verhandlungen scheitern, werde es keine weitere Finanzierung geben, sagten Regierungsvertreter. Außerdem werde Fiat kein höherer Anteil als 35 Prozent erlaubt, solange die US-Regierung Hilfsmilliarden in den Konzern stecke. Bei Chrysler wird allerdings kein Wechsel im Top-Management gefordert. Dabei dürfte eine entscheidende Rolle spielen, dass Vorstandschef Robert Nardelli das Unternehmen erst seit August 2007 führt. Chrysler gehörte zeitweise dem Daimler-Konzern - im Sommer 2007 kaufte der Finanzinvestor Cerberus Daimler Chart zeigen jedoch 80,1 Prozent an dem 1925 gegründeten Autobauer ab.

Der bisherige GM-Chef Wagoner war schon im vergangenen Jahr wegen seines Krisenmanagements in die Kritik geraten. Er hatte jedoch wiederholt betont, dass er an der Konzernspitze bleiben wolle. Auch das GM-Direktorium hatte sich bislang geschlossen hinter ihn gestellt. Er hatte im Jahr 2000 den Chefsessel bei General Motors übernommen.

In den vergangenen vier Jahren häufte der Konzern Verluste von insgesamt mehr als 80 Milliarden Dollar an. Marktbeobachter lobten Wagoner für seine Bemühungen, den bürokratischen Konzern zu reformieren und flexibler zu machen. Kritiker warfen ihm jedoch vor, dass er die Chance verpasst habe, das Unternehmen mit modernen und effizienteren Modellen neu auszurichten und damit wettbewerbsfähig zu machen.

Ford Chart zeigen ist der einzige der drei großen US-Autobauer, der ohne Staatshilfen sein Überleben sichern will.

hut/AP/Reuters/dpa



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Seite 1
Benjamin1965 30.03.2009
1. Grosse Frage
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Sollen sie ueberleben? Ist das im Interesse des deutschen Volkes? Ist das Interesse der Amerikaner? Eines ist absolut sicher: Obama (und jeder andere US President) werden US Interessen vor jegliche andere Interessen der Welt stellen. Leider kann man das von einer deutschen Regierung nicht behaupten.
Laotse, 30.03.2009
2. Verpuppung
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Da müssen aus den fetten Raupen leichte Schmetterlinge werden und das wird nur im Kokon von US-Insolvenzverfahren möglich sein. Abwehr- oder Verzögerungsstrategien werden - so verständlich sie politisch und menschlich auch sind - nur zusätzliche verpulverte Kosten bedeuten. Dazu gehören auch die jetzt beschlossenen weiteren Nachfristen der US-Regierung.
Beutz 30.03.2009
3. Versager
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Es passiert -im Gegensatz zu D- endlich das, was passieren muss. Liebe Grüße.
Tom_63, 30.03.2009
4. Neue Produkte
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Hätten die Taugenichtse von Manager schon früher nach alternativen Antrieben gesucht wäre es nicht soweit gekommen. Bush war da sicher auch ein Bremser und als Präsident ein Versager. Bei den Deutschen Autobauern gilt das Gleiche. Wenn sie weiter so schlafen dann ist es auch um sie geschehen. Auf keinen Fall dürften die Autobauer durch staatliche Hilfe gestützt werden. Dies gilt auch für die Banken.
kleinrentner 30.03.2009
5. nur wer für den Markt sprich Nachfrage produziert
Zitat von LaotseDa müssen aus den fetten Raupen leichte Schmetterlinge werden und das wird nur im Kokon von US-Insolvenzverfahren möglich sein. Abwehr- oder Verzögerungsstrategien werden - so verständlich sie politisch und menschlich auch sind - nur zusätzliche verpulverte Kosten bedeuten. Dazu gehören auch die jetzt beschlossenen weiteren Nachfristen der US-Regierung.
hat es verdient gerettet zu werden. So gesehen ist eine Anpassung über ein geordnetes Insolvenzverfahren zu befürworten. Entspricht ja auch den Marktregeln!!! Für De sei noch zu sagen, dass ich es unerträglich finde, wie die asozialen Opelbetriebsräte, denen das Schicksal und vor allem die Arbeitsbedingungen ihrer Leih-und Zeitarbeiter jahrelang nicht im Geringsten interessierte, jetzt die deutsche Politik mitleidsheischend versuchen in eine Staatsbeteiligung zu quatschen. Schlage vor, die Herren Betriebsräte fahren nach Detroit und jammern da, bei ihrem Herrn und Brötchengeber. Opel ist schliesslich seit 80 Jahren kein deutsches Unternehmen mehr, und als Steuerzahler ein Totalverweigerer.
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