Deutliche Erhöhungen 2007 Beitrags-Schock für die Kassenpatienten

Die Krankenkassen-Beiträge steigen zum Jahreswechsel deftig. Vom Ausmaß sind selbst Experten überrascht: Sie sprechen von einem regelrechten "Beitrags-Schock". Die große SPIEGEL-ONLINE-Tabelle zeigt, um wie viel Ihre Kasse draufschlägt - und was die anderen verlangen.


Berlin - Die Zahlen sprechen für sich. Zum 1. Januar 2006 hatte der Branchendienst "dfg - Dienst für Gesellschaftspolitik" lediglich 17 Bewegungen bei den Kassenbeiträgen (4 Senkungen, 13 Erhöhungen) registriert, für den kommenden Jahreswechsel 2006/2007 dagegen - vorerst - 115. Und dabei sind noch nicht einmal alle Erhöhungen vollständig erfasst.

Gesundheitskarten: Flächendeckende Preisrunde
DPA

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Einer echten Beitragssenkung und drei Senkungen im Zusammenhang mit Fusionen stünden 104 dokumentierte echte Erhöhungen und acht Erhöhungen im Zusammenhang mit Fusionen gegenüber, schreibt der Dienst in seiner neuesten Ausgabe. "Angesichts der Tatsache, dass bis auf eine Ortskrankenkasse (AOK Thüringen) und eine Ersatzkasse (KEH) alle Körperschaften aus diesen beiden Kassenfamilien zum Beitragshammer griffen, zeigt, dass der Beitragssatz-GAU keine Einzelmaßnahme ist, sondern alle Teile der GKV erfasst hat."

Insgesamt werden also rund 40 Millionen Kassenmitglieder mit Beitragserhöhungen rechnen müssen. Am stärksten langen die AOKen Berlin und Saarland hin. Ihr Beitragssatz liegt nach der Erhöhung jeweils bei 16,7 Prozent inklusive des festen Arbeitnehmerbeitrags von 0,9 Prozent. Den zweithöchsten Beitrag verlangen die AOK Rheinland-Pfalz und die CITY BKK mit 16,4 Prozent. Auf Rang drei folgen die AOK Schleswig-Holstein und die IKK Hamburg mit 16,2 Prozent. Im Detail finden Sie den neuen Satz Ihrer Kasse in den folgenden Übersichtstabellen:


Klicken Sie hier für die Übersichtstabelle zu den Steigerungen bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK)...

Klicken Sie hier für die Ersatzkassen...

Klicken Sie hier für die Innungskrankenkassen...

Klicken Sie hier für die Betriebskrankenkassen (BKK)...


Infolge der massiven Beitragserhöhungen in der gesetzlichen Krankenversicherung verschärft sich auch der Ton zwischen Bundesregierung und Wirtschaft. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wies Kritik der Arbeitgeberseite scharf zurück: "Es ist keine Beitragssatzanhebung in der paritätischen Selbstverwaltung ohne Zustimmung der Arbeitgeber-Vertreter beschlossen worden. Wenn sie nun Kostensteigerungen beklagen, müssen sie sich an die eigene Nase fassen."

Zuvor hatten Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt und Industrie-Präsident Jürgen Thumann heftige Kritik an der Entwicklung der Beitragssätze geäußert. "Es kann nicht sein, dass die Beitragssätze ein neues Rekordniveau erreichen, ohne dass auch nur versucht wird, wirkungsvoll gegenzusteuern", sagte er.

Derweil versuchen die AOKen, ihre Ausgaben für Arzneimittel zu senken, indem sie direkte Vereinbarungen mit einzelnen Pharmaherstellern treffen. Bundesweit seien bereits rund 200 Hersteller angeschrieben worden, berichtete der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Rolf Hoberg. Die Unternehmen sollen demnach einen Rabatt auf bestimmte Arzneimittel gewähren, "wodurch diese für die AOK günstiger werden als die jeweils günstigste, nicht rabattierte vergleichbare Alternative".

Baden-Württemberg hat laut Hoberg bei dem Vorhaben die Federführung. Ziel sei es, nach dem Abschluss entsprechender Vereinbarungen mit den einzelnen Herstellern die Ärzte über die billigeren Alternativen zu informieren. Die Ärzte sollten für die Beratung der Patienten über die Medikamentenumstellung entschädigt werden. Die geringeren Ausgaben für Arzneimittel sollen den Kassen helfen, weitere Beitragssatzsteigerungen zu vermeiden.

mik/AP/dpa



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