Wohl aus Wut über Verkehrsminister Wissing Bahn-Aufsichtsratschef Odenwald tritt zurück

Im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn gibt es Krach – der Vorsitzende, Michael Odenwald, schmeißt nach SPIEGEL-Informationen hin. Offenbar hat sich Streit an einer Pressekonferenz von Verkehrsminister Wissing entzündet.
Foto: Eugenio Loreto / EPA

Michael Odenwald, 64, der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bahn, tritt von seinem Posten Ende Juli zurück. Das hat der SPIEGEL aus Bahn-Kreisen erfahren.

Tags zuvor, am Mittwoch, hatte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zusammen mit Bahn-Chef Richard Lutz ein Baustellenkonzept vorgestellt. Damit reagiert Wissing auf die eklatanten Verspätungen im Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn.

Künftig sollen ganze Schienenkorridore komplett saniert werden, um den Fahrbetrieb wieder reibungsloser zu garantieren. Der Plan sieht eine sogenannte Koordinierungsstelle im Verkehrsministerium vor, mit der Wissing sicherstellen will, dass das Konzept auch wirklich umgesetzt hat. Der SPIEGEL hatte darüber Anfang des Monats berichtet.

Neues Konzept als Misstrauensbeweis?

Die Kontrollinstanz könnte man als Misstrauensbeweis für den Aufsichtsrat und dessen Chef Michael Odenwald betrachten, der vom Aktienrecht eigentlich für die Kontrolle der Bahn zuständig ist. Kritik hatte es an Odenwald allerdings auch aus Reihen der Ampelkoalition gegeben.

Inzwischen hat die Bahn den Rücktritt von Odenwald bestätigt. »Herr Odenwald hat sich um die DB verdient gemacht«, erklärte ein Bahn-Sprecher. Odenwald selbst erklärte: »Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, mein Mandat niederzulegen.«

Verärgert war Odenwald, aber auch andere Aufsichtsratsmitglieder, darüber, dass eine schon länger angesetzte Strategiesitzung mit ihnen abgesagt wurde, Wissing und Bahn-Chef Lutz dann aber trotzdem in der Pressekonferenz am Mittwoch die neue Richtung der Bahn verkündeten. Dabei sorgte eine Äußerung Wissings für besondere Empörung: Er kündigte an, die Interessen des Bundes künftig gegen den Aufsichtsrat besser durchzusetzen. Vertreter des Eigentümers Bund sind allerdings selbst Teil des Aufsichtsrats.

Odenwald hatte fast 30 Jahre im Bundesverkehrsministerium gearbeitet, zuletzt als Staatssekretär. Unter anderem war der Jurist Leiter der Untersuchungskommission für den Abgasskandal ab 2015. Im April 2018 wurde er zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Bahn gewählt, dem er seit 2012 angehört. Eigentlich war sein Vertrag im vorigen Jahr bis 2025 verlängert worden.

Neue Vorstandsbesetzungen

Im Zuge der anstehenden Sanierung stellt die Bahn auch ihren Vorstand neu auf. Der bisher für den Personenverkehr zuständige Manager Berthold Huber übernimmt das wichtige Infrastrukturressort, wie der Staatskonzern mitteilte. Damit wird der 58-Jährige ab Juli Nachfolger von Ronald Pofalla, der die Bahn im April verlassen hat.

Huber und seinem Team obliege nun »die zentrale Aufgabe, die Eisenbahninfrastruktur leistungsfähiger zu machen«, erklärte Odenwald. Aktuell leidet die Bahn an den Folgen ihres überlasteten Netzes mit kaputten Weichen, veralteten Stellwerken und vielen Baustellen.

Das neu geschaffene Ressort Regionalverkehr soll ab Juli Evelyn Palla leiten. Die 48-Jährige, die Ende 2018 von der ÖBB nach Berlin wechselte, ist bislang im Vorstand der DB Fernverkehr für die Finanzen zuständig. Weiterhin rückt Michael Peterson in den Vorstand auf und übernimmt das neu geschaffene Ressort Personenfernverkehr.

Mit Material von Reuters.

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