Video mit fliegenden Lkw Neue Bahn-Werbung erzürnt Geschäftskunden

Kubrick-Stil, dazu Donauwalzer: Mit einer neuen Werbekampagne will der Staatskonzern Bahn mehr Güter auf die Schiene locken. Vielen Unternehmenskunden kommt das im aktuellen Verspätungschaos wie ein schlechter Witz vor.
Güterzug in Bayern

Güterzug in Bayern

Foto: Armin Weigel / dpa

»Tue Gutes und rede darüber.« Das ist das Prinzip guter Öffentlichkeitsarbeit. Die PR-Profis der Deutschen Bahn (DB) sind aber offenbar der Auffassung, dass ihre Firma auch dann noch eine werbetaugliche Leistung abliefert, wenn das Missmanagement im eigenen Hause gerade die Kunden vergrault.

Das zeigt die jüngste Reklameaktion des Konzerns. Seit Monaten führt das Streckenchaos bei der Bahn zu Verspätungen und Ausfällen im Personen- und Güterverkehr. Viele Unternehmen lassen ihre Waren deshalb lieber wieder mit dem Lkw befördern, weil die Bahn das Lieferaufkommen nicht bewältigen kann. »Die aktuelle Betriebslage«, räumte kürzlich Bahnchef Richard Lutz ein, sei mit »guter Betriebsqualität und Pünktlichkeit« nicht vereinbar.

»Die Vorteile der Schiene auf plakative Weise herausstellen«

Trotzdem startet die Bahn nun eine Werbekampagne, die ihr weitere Transportaufträge eintragen soll. Pünktlich zum sogenannten Earth-Overshoot-Day am 28. Juli, der symbolisiert, wann die Menschheit die natürlichen Ressourcen eines Jahres aufgebraucht hat, will der Konzern »auf plakative Weise die Vorteile der Schiene herausstellen«. So steht es in einer Mail, die der Tochterkonzern DB Cargo AG (Motto: »WirsindGüter«) in diesen Tagen an Verbände, Gewerkschaften und sogenannte Partnerunternehmen verschickt hat. Es ließen sich in erheblichem Umfang CO₂-Emissionen vermeiden, heißt es darin, »indem auf der Langstrecke konsequent von der Straße auf die Schiene umgestiegen wird«.

Dazu hat die Bahn ein Filmchen produzieren lassen, das an Stanley Kubricks »2001 – Odyssee im Weltraum« erinnert. Zu den Klängen des Donauwalzers wirbeln schwerelose Lkw-Container durch den Himmel, die von Kränen sanft auf Güterwaggons platziert werden – um anschließend in rasender Fahrt in einer grünen Traumlandschaft zu verschwinden.

Das Problem ist nur, dass sich die Güterzüge im irdischen Bahnbetrieb eher im Schneckentempo fortbewegen – wenn überhaupt. Und so kommt vielen Geschäftskunden das Video eher wie ein schlechter Witz vor. »Wir würden gern mehr Güter auf die Schiene bringen«, sagt der Vertreter eines Verkehrsverbandes, »wenn die Bahn nicht gleichzeitig signalisieren würde, dass sie dazu gar nicht in der Lage ist«. Erst kürzlich hatte ein DB-Cargo-Vorstand vom »kompletten GAU in unserem Produktionssystem« gesprochen.

Den Kampf gegen die Erderwärmung nicht aus den Augen verlieren

Das Unternehmen versucht auch gar nicht erst, die Probleme kleinzureden. »Wir thematisieren ganz bewusst, dass derzeit die gesamte Logistik und die Lieferketten vor großen Herausforderungen stehen«, sagt ein DB-Cargo-Sprecher. »Diese Herausforderung ist aber nur ein Vorgeschmack dessen, was passiert, wenn es uns nicht gelingt, den Klimawandel zu stoppen.«

Dass der Kampf gegen die Erderwärmung nicht aus den Augen verloren werden dürfe, bezeichnet der Bahn-Mann deshalb als die eigentliche Botschaft der Werbeaktion. »Die Kampagne richtet sich weniger an unsere Geschäftskunden als an eine Öffentlichkeit, die zunehmend bereit ist, für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen kleinere Einschränkungen beim Komfort in Kauf zu nehmen«, sagt er. »Ein Paket kann durchaus einen Tag später ankommen, wenn es dafür klimafreundlich mit der Bahn transportiert wird.«

So besehen bedienen sich die Öffentlichkeitsarbeiter der Bahn eben doch der erprobten Instrumente ihrer Branche: Es gilt, die eigenen Fehler und Versäumnisse ins sanfte Licht höherer Ziele zu tauchen.

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