Verkehrswende in Gefahr? Bahn verteuert Güterverkehr um bis zu 45 Prozent

Für das Erreichen der Klimaziele ist es nötig, mehr Güter auf Schienen zu transportieren. DB Cargo will dafür jetzt deutlich mehr kassieren – und verprellt damit die Kunden.
Güterzüge im Hamburger Hafen

Güterzüge im Hamburger Hafen

Foto: A3754 Sebastian Widmann/ dpa

Die Bahn-Tochter DB Cargo sorgt mit einer massiven Preiserhöhung für Wirbel in der deutschen Wirtschaft. Die Güterverkehrssparte des Staatskonzerns unterrichtet ihre Kunden nach Informationen des SPIEGEL dieser Tage über Tarifsteigerungen von bis zu 45 Prozent. Die Sparte unter Vorständin Sigrid Nikutta begründet das mit höheren Energiekosten und steigenden Inflationsraten.

Kritiker vermuten ein weiteres Motiv: Die Bahn wolle mit den enorm steigenden Tarifen ein Bekenntnis von Eigentümer und Management herbeiführen, heißt es im Cargo-Umfeld: Bundesregierung und Konzernspitze sollten sich entscheiden, ob sie eine dauerhaft subventionsbedürftige Güterverkehrssparte haben wollten oder eine Tochter, die weniger fahre, dafür aber profitabel wirtschafte.

Die Preiserhöhungen kämen »zur Unzeit«, träfen viele in der Industrie in einer »sehr angespannten wirtschaftlichen Situation«, so Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Zwar habe er Verständnis dafür, dass Unternehmen die gestiegenen Energiepreise an ihre Kunden weitergeben. Aber: »Höhere Preise bremsen die zum Erreichen der Klimaziele dringend benötigte Stärkung der Schiene aus und fördern eine Rückverlagerung auf die Straße«.

Nach SPIEGEL-Informationen betrifft die anstehende Verteuerung ausschließlich solche Kunden, die bei der Cargo den Listenpreis zahlen. Mit diesen erwirtschaftet die Sparte lediglich drei Millionen der insgesamt 4,5 Milliarden Euro Umsatz. Bei den Kunden mit Rahmenvertrag fällt die Preiserhöhung geringer aus.

DB Cargo fährt seit Jahren hohe Verluste ein. 351 Millionen Euro waren es allein im vergangenen Jahr, obwohl das Unternehmen eine Viertelmilliarde Euro Coronahilfen sowie 70 Millionen Euro Zuschüsse bekam. Ohne diese Mittel hätte das Minus 2021 gar bei 670 Millionen Euro gelegen.

Die Bahn bestätigte die neuen Frachtpreise. Man sei damit aber »auf dem Niveau der branchenüblichen Preisentwicklung«, gerade auch im Vergleich mit Lkw-Frachtraten.

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