Finanzlücke bei Investitionen Bahn will eine weitere Milliarde Schulden machen

Der Bahn fehlt für dringende Investitionen in Züge und Gleise das Geld. Nach SPIEGEL-Informationen will es sich der Konzern deshalb leihen - und die vom Parlament gesetzte Verschuldungsgrenze übersteigt.

Gleisbauarbeiten in Hamburg-Wilhelmsburg (Archiv)
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Gleisbauarbeiten in Hamburg-Wilhelmsburg (Archiv)

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Für den Vorstandschef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, bedeutet die nächste Woche nichts Gutes. Zwei Termine warten auf ihn, bei denen er sich erklären muss.

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Heft 13/2019
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Den ersten hat er am Mittwoch beim Aufsichtsrat. Dort muss Lutz die Kontrolleure von seinem Zukunftskonzept überzeugen, damit sie ihn auf seinem Posten belassen. Und einen Tag drauf tritt er vor die Journalisten, um die Jahresbilanz vorzustellen. Im vergangenen Jahr lief es gar nicht so schlecht, zumindest finanziell.

Doch im nächsten Jahr tun sich riesige Haushaltslöcher auf. Was tun?

Für Bahn-Chef Richard Lutz wird die kommende Woche schwierig
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Für Bahn-Chef Richard Lutz wird die kommende Woche schwierig

Nach SPIEGEL-Informationen hat der Vorstand der Deutschen Bahn deshalb entschieden, einen weiteren Kredit in Höhe von einer Milliarde Euro aufzunehmen. Das geht aus einer Vorlage für die Aufsichtsratssitzung des Konzerns hervor. Dadurch würde der Schuldenstand der Bahn auf mehr als 20 Milliarden Euro anwachsen und somit jene rote Linie überschreiten, die die Bundesregierung dem staatseigenen Unternehmen vorgegeben hat.

Auf der Bilanzpressekonferenz will Bahn-Chef Lutz einen ungedeckten Geldbedarf von 2,5 Milliarden Euro in diesem und 4 Milliarden Euro in den kommenden Jahren bekanntgeben. Um frisches Geld einzuspielen, will die Bahn ihre Anteile am britischen Bahnunternehmen Arriva verkaufen.

Im schlimmsten Fall müsste der Staat einspringen

Für diesen Vorschlag zeichnet sich im Kontrollgremium eine breite Zustimmung ab, einschließlich der im Aufsichtsrat sitzenden Parlamentarier der Großen Koalition. Dort macht man sich jedoch Sorgen, ob die Pläne von Lutz aufgehen. "Es gibt in dem Finanzierungsvorschlag keinen Plan B für den Fall, dass der Verkauf von Arriva scheitert", sagt ein Aufsichtsratsmitglied. Im schlimmsten Fall müsste der Staat als Bürge für weitere Kredite einspringen.

Auf der Aufsichtsratssitzung sollte es ursprünglich auch um eine Erweiterung des Vorstands um zwei Posten gehen. Davon erhofft sich Lutz, das Unternehmen straffer steuern zu können. So sollen die Verspätungen und Defekte im Personenverkehr, die Defizite im Güterverkehr beseitigt und die marode Gleistechnik modernisiert werden. Doch die Personalien wurden abgesagt, weil es bereits jetzt Uneinigkeit in Aufsichtsrat, Regierung, Parlament und Vorstand über die Besetzung der neuen Vorstandsämter gibt.

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