Deutsche Bank Ackermann lehnt Entschuldigung ab

Absage an den Bundespräsidenten: Deutsche-Bank-Chef Ackermann sieht keinen Grund für eine Entschuldigung, wie sie Horst Köhler von den Banken fordert. Sein Geldhaus habe "weniger Fehler gemacht als andere". Bundeswirtschaftsminister Glos fordert eine Vertrauensoffensive der Banken.

Berlin - Verteidigung trotz starken Gegenwinds: In einem Zeitungsinterview rechtfertigte Josef Ackermann das Vorgehen der Deutschen Bank. "Ich selbst habe schon im vergangenen Jahr in einer sehr populären Fernsehsendung gesagt, dass auch die Deutsche Bank Fehler gemacht hat - wenngleich erheblich weniger und weniger gravierende als andere", sagte Ackermann der "Bild am Sonntag" ("BamS") laut einer Vorabmeldung.

Die Deutsche Bank habe selbst in der Krise eine hohe Kapitalquote und könne sich Zukäufe wie zum Beispiel bei der Postbank leisten. "So schlecht haben wir uns also nicht geschlagen", sagte Ackermann.

Horst Köhler hatte angesichts der schweren weltweiten Finanzkrise von den verantwortlichen Bankmanagern eine Entschuldigung für ihre Fehler gefordert. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Struck warf Ackermann eine "Schauveranstaltung" vor. Hntergrund war die Ankündigung Ackermanns gewesen, dass er und die anderen Vorstände der Deutschen Bank auf mindestens die Hälfte ihrer Bezüge verzichten wollen.

Die Deutsche Bank werde "in der ganzen Welt dafür gelobt, wie gut sie im Vergleich dasteht", sagte Ackermann nun der "BamS". "Und ich selbst bekomme auch viel Lob für mein internationales und nationales Engagement im Dienste der Finanzbranche", fügte Ackermann hinzu. Er plädierte dafür, dass die Banken auch künftig nach einer möglichst hohen Rendite streben. "Der Wettbewerb um höhere Renditen hat die Menschheit weitergebracht. Diesen Wettbewerb sollten wir auf keinen Fall aufgeben." Er verteidigte sein Ziel, 25 Prozent Rendite zu erreichen. "Das ist die Rendite, die die besten Banken der Welt erzielen."

"Ist es Gier, wenn man möglichst erfolgreich sein will? Das will doch jeder im Leben", so der Deutsche-Bank-Chef. Allerdings erwartet er nach eigener Einschätzung in den kommenden Jahren niedrigere Renditen in der Branche.

Ackermann machte weiter geltend: "Ohne unsere hohe Profitabilität wären wir zum Beispiel jetzt auch nicht in der Lage gewesen, bei der Rettung der Hypo Real Estate einen solch entscheidenden Beitrag zu leisten und die Finanzkrise aus eigener Kraft durchzustehen. Wir müssten jetzt womöglich auch dem Steuerzahler in die Tasche greifen." Der Vorstandsvorsitzende betonte: "Wir bei der Deutschen Bank sind stolz auf diese Leistung - und auch die Deutschen können darauf stolz sein."

"Für neues Vertrauen sorgen"

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat von den Banken eine Vertrauensoffensive gefordert. Wegen der Finanzmarktkrise müssten die deutschen Banken ihre Kunden besser informieren und so verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. "Die Banken müssen jetzt sehr schnell für neues Vertrauen sorgen", schrieb der CSU-Politiker in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".

Glos sprach sich dafür aus, Kunden besser zu informieren. "Diese Informationspflicht muss gesetzlich festgeschrieben werden. Informationen über Risiken müssen allgemeinverständlich erfolgen." Zudem benötigten die Verbraucherzentralen für eine stärkere Beratung mehr öffentliche Zuschüsse.

Der Minister sprach sich außerdem dafür aus, die Provisionsregeln für Bankberater zu ändern. "Es muss klar verboten sein, dem Kunden ein Finanzprodukt nur deshalb anzupreisen, weil es dem Berater eine besonders hohe Provision einbringt. Die Banken müssen hier eine bindende Selbstverpflichtung eingehen." Die weltweite Finanzkrise habe das Vertrauen der Bürger in ihre Banken schwer beschädigt, beklagte Glos. "Entweder, die Banken starten jetzt eine glaubwürdige Offensive für Vertrauen, oder es entsteht ein dauerhafter Schaden für die Kunden und für die gesamte Finanzwirtschaft."

Gabriel wirft Ackermann "Symbolpolitik" vor

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Bankmanager als Reaktion auf die Fehler in der Finanzmarktkrise zu persönlichen finanziellen Opfern aufgefordert. "Es reicht nicht aus, dass Bankchefs ihre Boni, also Zusatzprämien, gönnerhaft abgeben. Das ist reine Symbolpolitik", sagte Gabriel der "Rheinischen Post". Damit spielte Gabriel auf die Ankündigung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an, auf die Bonusprämie zu verzichten. "Ein glaubhafter Beitrag wäre es, wenn die Managerhaftung verschärft würde", sagte Gabriel.

Der SPD-Politiker forderte eine Rückbesinnung auf den "industriellen Kern" der Gesellschaft. "Die Stütze unserer Wirtschaftsordnung sind industrielle Kerne, das produzierende Gewerbe und florierende Dienstleistungen. Meine Hoffnung ist, dass es eine Besinnung auf nachhaltiges Wirtschaften gibt, das Investitionen in die reale Wirtschaft und nicht in spekulative Märkte mit sich bringt", sagte Gabriel.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), forderte die Kreditinstitute zu einer Überarbeitung ihrer Bonussysteme auf. "Ich rate den Banken und Unternehmen, die Kurzfristorientierung in der Vergütung von sich aus abzuschaffen", sagte Röttgen der "tageszeitung". "Ich verstehe nicht, warum die Banken nicht schon in dieser Woche die Initiative ergriffen haben. Wenn das nicht geschieht, wird es der Gesetzgeber tun."

Als Konsequenz aus der weltweiten Finanzkrise forderte Röttgen außerdem einen verbesserten Verbraucherschutz bei Finanzprodukten. "Der Produzent muss darüber berichten, wo die Gefahren seines Produkts liegen. Und zwar so, dass der Konsument es verstehen kann", sagte der CDU-Politiker der "taz". Außerdem müssten riskante Geschäfte künftig durch mehr Eigenkapital abgesichert sein. Der Bundestag hatte am Vormittag ein Rettungspaket beschlossen, das Kreditbürgschaften und Kapitalhilfen für die Finanzbranche in Höhe von bis zu 480 Milliarden Euro vorsieht.

han/AFP/ddp/dpa