Deutsche Bank Arbeitnehmer rechnen mit weniger Jobverlust

Nach den versöhnlichen Worten von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter rechnen Arbeitnehmervertreter mit baldigen Verhandlungen und weniger Stellenstreichungen – möglicherweise freuen sie sich zu früh.

Hamburg - "Ich rechne damit, dass Josef Ackermann den Stellenabbau reduziert", sagte Sigrid Betzen, Geschäftsführerin des Deutschen Bankangestellten-Verbands (DBV), gegenüber SPIEGEL ONLINE. Demnächst werde es mit Sicherheit Gespräche mit dem Management geben.

Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter hatte in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte", seinerseits Gespräche mit dem Betriebsrat angekündigt. Er könne sich vorstellen, "dass es sich lohnt, darüber noch einmal nachzudenken".

Der Betriebsrat der Deutschen Bank hat den sofortigen Beginn von Verhandlungen zum geplanten Personalabbau der Bank allerdings abgelehnt. Stattdessen habe man Vorstandssprecher Ackermann erneut aufgefordert, von den Personalplänen Abstand zu nehmen, erklärte das Gremium. Die Arbeitnehmervertretung schlägt einen Qualifizierungs- und Beschäftigungspakt zur Stärkung des Standortes Deutschland vor.

Dass der Stellenabbau gestoppt wird, glaubt der DBV nicht. "Es wird Streichungen geben, vor allem in der Investmentsparte", sagte Betzen. Andere Bereiche der Bank dagegen dürften weniger betroffen sein. Die DBV-Anwältin verweist darauf, dass die Investmentbanker hohe Abfindungen bekommen: "Dort wird viel verdient, entsprechend hoch sind die Zahlungen."

"Die Position der Bank bleibt unverändert", sagte auch ein Deutsche-Bank-Sprecher. Allerdings bekräftigte er, die Zahl von 1920 zu streichenden Stellen im Inland stehe nicht zur Disposition. Es sollten "einvernehmliche Lösungen mit dem Betriebsrat" gesucht werden, um den Personalabbau "so sozialverträglich wie möglich" umzusetzen.

Das wird kaum möglich sein. Nur wenige Mitarbeiter kommen laut DBV für Altersteilzeit oder Vorruhestand in Frage. "Dazu ist der Altersdurchschnitt in der Bank zu niedrig", sagte Betzen. Der Verband rechnet daher mit zahlreichen Aufhebungsverträgen. In Extremfällen seien Kündigungen nicht auszuschließen.

Die Deutsche Bank hat im vergangen Jahr 2,5 Milliarden Euro verdient und damit das beste Ergebnis seit vier Jahren erzielt. Dennoch will Bankchef Josef Ackermann weltweit 6400 Stellen streichen, davon 1920 in Deutschland.

Das Unternehmen war für die geplanten Stellenstreichungen heftig kritisiert worden. Vertreter aller Parteien hatten die Bank gerügt. Die Attacken gipfelten in einem Boykottaufruf durch die hessische SPD.