Deutsche Bank Ex-Staatssekretär Koch-Weser berät Ackermann

Auch die Deutsche Bank ist jetzt in Politikerkreisen bei der Personalsuche fündig geworden. Der ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Caio Koch-Weser, soll Bank-Chef Josef Ackermann künftig beratend zur Seite stehen.


Hamburg - "Vieles ist denkbar", hatte Caio Koch-Weser nach dem Ausscheiden als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium auf die Frage nach seiner beruflichen Zukunft erklärt. Wahrscheinlich werde er wieder eine internationale Tätigkeit wahrnehmen. Nun geht der 61-Jährige einen Weg, den in Deutschland immer mehr Politiker nach dem Ende ihrer Karriere einschlagen: Er wechselt in die Wirtschaft. Koch-Weser wird nach Angabe der Deutschen Bank als Non Executive die Führungsspitze des Finanzkonzerns beraten.

Deutsche-Bank-Nachwuchs Koch-Weser: Spricht sechs Sprachen
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Deutsche-Bank-Nachwuchs Koch-Weser: Spricht sechs Sprachen

"Caio Koch-Weser verfügt über umfassende Erfahrungen in Regierungsangelegenheiten, internationalen Finanzen und der globalen Wirtschaft", erklärte Vorstandschef Josef Ackermann die Berufung. "Er ist eine enorme Bereicherung für die Bank und ihre Kunden." Er werde eine beratende Funktion einnehmen und direkt an Ackermann berichten. Außerdem solle der Finanzexperte Kunden der Bank in strategischen sowie wirtschaftlichen Fragen zur Verfügung stehen, sagte Ackermann. "Darüber hinaus wird er die Bank bei wichtigen internationalen Instituten und öffentlichen Foren vertreten."

Für diese Aufgaben scheint Koch-Weser tatsächlich die optimale Besetzung zu sein. National und international verfügt der in Brasilien geborene Volkswirt über exzellente Kontakte in Wirtschaft und Politik. 25 Jahre war Koch-Weser bei der Weltbank tätig, zuletzt als einer von vier geschäftsführenden Direktoren. Er gilt als weltgewandter und versierter Diplomat und spricht neben seinen beiden Muttersprachen Portugiesisch und Deutsch auch Englisch, Französisch, Chinesisch und Spanisch.

1999 holte Finanzminister Hans Eichel Koch-Weser als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium. Dort war er für die internationale Finanzpolitik zuständig und bemühte sich zunächst vor allem, das in der internationalen Finanzszene stark lädierte Image Deutschlands wieder aufzupolieren. Neben dem Posten als Staatssekretär war Koch-Weser auch Vorsitzender des Europäischen Wirtschafts- und Finanzausschusses. Qua Amt war der Staatssekretär außerdem Vorsitzender der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und Vize-Gouverneur der Weltbank.

Einen Dämpfer bekam Koch-Wesers Karriere allerdings als er 2000 seine Kandidatur für das Amt des geschäftsführenden Direktors des Internationale Währungsfonds nach einem klaren Nein der USA zu dem Deutschen zurückziehen musste. Auch als Chef der Deutschen Bundesbank war Koch-Weser im Gespräch, kam jedoch nie zum Zug.

Nach der Bundestagswahl 2005 erklärte Koch-Weser nach einer Amtszeit von sechseinhalb Jahren, aus dem Bundesfinanzministerium ausscheiden zu wollen. Zuvor hatte sich der parteilose Staatssekretär allerdings in SPD-Kreisen ausgesprochen unbeliebt gemacht, weil er ganz unverblümt erkennen ließ, sich auch eine Tätigkeit unter einem Unions- oder sogar unter einem FDP-Finanzminister vorstellen zu können.

Promi-Politiker werden häufig abgeworben

Koch-Weser ist nicht der erste Politiker, der nach dem Ende seiner politischen Karriere einen Job in der Privatwirtschaft annimmt. Meist führten diese Wechsel allerdings zu erheblichem Ärger. Zuletzt sorgte die Berufung von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder an die Spitze des Verwaltungsrats der neuen Gaspipeline-Gesellschaft NEGP für harsche Kritik. Auch der Wechsel des ehemaligen bayerischen Wirtschaftsministers Otto Wiesheu in den Vorstand der Deutschen Bahn, wo er für "politische Kontakte" zuständig ist, sorgte in den letzten Monaten für Unmut in der Öffentlichkeit.

Die Liste der Politiker, die sich in den Dienst der Wirtschaft stellten, ließe sich so beliebig fortführen. Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sitzt inzwischen im Aufsichtsrat des Dienstleistungskonzerns Dussmann, Ex-CDU-Fraktionschef Friedrich Merz ist Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Börse AG. Bereits 2004 war der ehemalige Staatsekretär im Wirtschaftsministerium, Alfred Tacke, in den Vorstand der RAG-Tochter Steag gewechselt. 1999 war der ehemalige FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann vom Posten des EU-Industriekommissars zum spanischen Telefonica-Konzern abgewandert.



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