Deutsche-Bank-Quartalszahlen Finanzkrise reißt 4,8-Milliarden-Loch in Ackermanns Bilanz

Die Finanzkrise trifft die größte Privatbank der Republik mit voller Wucht: "Sehr enttäuscht" hat Deutsche-Bank-Chef Ackermann einen 4,8-Milliardenverlust im vierten Quartal bekanntgegeben - und offen Schwächen seines Instituts eingeräumt.

Frankfurt am Main - Die Finanzkrise hat die Deutsche Bank 2008 tief in die roten Zahlen gebracht. Für das Gesamtjahr geht das größte deutsche Institut von einem Verlust von etwa 3,9 Milliarden Euro aus. Für den einstigen Branchenprimus kommt das einem Sturz ins Bodenlose gleich: Im Jahr 2007 hatte die Deutsche Bank noch einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Euro erzielt.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Sehr enttäuscht" über Quartalszahlen

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Sehr enttäuscht" über Quartalszahlen

Foto: DPA

Tief ins Minus hat die Bank vor allem das vierte Quartal gerissen. Allein in diesem sei ein Verlust von 4,8 Milliarden Euro entstanden, teilte die größte deutsche Privatbank am Mittwoch in Frankfurt aufgrund vorläufiger Zahlen mit. Genaue Zahlen will das Institut auf seiner Bilanzpressekonferenz am 5. Februar in Frankfurt am Main bekanntgeben.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zeigte sich über die Zahlen "sehr enttäuscht". Und er räumte Schwächen ein: "Das extrem schwierige Marktumfeld hat einige Schwächen in der Bank aufgezeigt", teilte er in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. "Die außerordentlich schwierigen Marktbedingungen haben die Ergebnisse aus dem Verkauf und Handel von Wertpapieren belastet."

Bei Ackermann ist ein solches Eingeständnis eher nicht die Norm. Der Deutsche-Bank-Chef hatte immer wieder gesagt, dass er eventuelle Probleme ohne Staatshilfe packen will. Einmal hatte er sogar gesagt, er würde sich schämen, wenn er Staatsgelder annehmen müsste.

Doch schon am Dienstag deutete sich eine Wende in der Hauspolitik des Instituts ein. Mehreren Zeitungsberichten zufolge steigt ausgerechnet bei der Deutschen Bank indirekt der Staat ein - wenn auch nur mit einer dreiprozentigen Beteiligung. Größter Aktionär des Geldhauses soll demnach künftig die vom Bund mitkontrollierte Post sein. Möglich macht es eine Neuverhandlung der Übernahme von der Postbank  .

Immerhin: In Geldnot scheint die Deutsche Bank derzeit nicht zu sein: Zum Jahreswechsel 2008/2009 habe die Kernkapitalquote bei zehn Prozent gelegen, hieß es in der Ad-hoc-Mitteilung. Dies entspreche der Zielgröße der Bank und sei im Vergleich zu einigen Mitbewerbern noch relativ gut. Die Kapitalstärke ermögliche es der Bank, den "extrem schwierigen Marktbedingungen Stand zu halten und die notwendigen Schritte zum Risikoabbau zu ergreifen".

Die Dividende von 50 Cent pro Aktie für das Geschäftsjahr 2008 sei in der genannten Kernkapitalquote (siehe Infobox unten) bereits berücksichtigt. Dies deutet auf eine Auszahlung in dieser Höhe hin - für die Aktionäre würde das einen deutlichen Abschlag bedeuten: 2007 hatten sie noch 4,50 Euro je Aktie erhalten.

Die Aktie der Deutschen Bank brach am Mittwochmorgen nach Bekanntgabe der Zahlen massiv ein und setzte sich an die Spitze der Verlierer im Dax  . Der Deutsche Leitindex pendelte am Vormittag zwischen einem und zwei Prozent im Minus.

ssu/AP/dpa/ddp
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