Deutsche Bank mit Milliardengewinn Schöner Schein

Die Deutsche Bank hat 2021 passabel Geld verdient. Neben den Investmentbankern sollen diesmal sogar die Aktionäre profitieren. Doch der nächste Skandal rollt bereits mit Macht auf das Institut zu.
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: Nicht ein Wort des Dankes an den Bund

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: Nicht ein Wort des Dankes an den Bund

Foto: Mario Andreya / dpa

Wenn es um die Deutsche Bank geht, sind für die Öffentlichkeit drei Dinge wichtig: Die Steuerzahler interessiert, ob das Institut gerade so viel Bockmist produziert, dass der Staat es womöglich schon bald retten muss. Die Aktionäre interessiert, ob sie mit einem Investment Geld verdienen können. Und alle zusammen interessiert, ob die altgediente Skandalnudel bald Schlagzeilen-Nachschub liefert.

Zu Jahresbeginn 2022 ist die Lage diffus. Von einer bedrohlichen Schieflage ist die Deutsche Bank derzeit weit entfernt. Anders als noch vor ein paar Jahren, als Strafandrohungen amerikanischer Behörden für nackte Panik in den Frankfurter Doppeltürmen sorgten. Für 2021 meldete Vorstandschef Christian Sewing, der jetzt in sein fünftes Amtsjahr geht, am Donnerstag vor Steuern rund 3,4 Milliarden  Euro Gewinn , nach Steuern sind es 2,5 Milliarden Euro. Das war mehr als viermal so viel wie 2020 und auch mehr als erwartet.

Sewing hat es bislang einigermaßen geschafft, die Kosten zu reduzieren, freilich auch durch den Abbau von rund 16.000 Mitarbeitern sowie Filialschließungen, und den Umsatz zu stabilisieren. Wichtige Risikokennzahlen wie die Eigenkapital- oder die Verschuldungsquote weisen in die richtige Richtung; sogar die Ratingagenturen, die über die Stabilität des Hauses urteilen, haben die Deutsche Bank wiederentdeckt.

Kurzum: Fürs Erste können die Steuerzahler gelassen bleiben, sobald im TV-Börsenbericht das Deutsche-Bank-Logo auf dem Bildschirm erscheint.

Gut für ihre Top-Mitarbeiter und schlecht für ihre Eigentümer

Anders als die Aktionäre. Seit Sewings Antritt im Frühjahr 2018 tritt die Aktie auf der Stelle. Jetzt winkt die Bank mit 20 Cent Dividende  je Anteilsschein. Letzteres ist besser als nichts, beides zusammen aber ein schlechter Witz vor dem Hintergrund, dass an die Investmentbanker des Konzerns seit Jahrzehnten ein Vielfaches dessen ausgezahlt wird, mit dem die Aktionäre abgespeist werden.

Im Prinzip war es immer so: Die Deutsche Bank ist gut für ihre Top-Mitarbeiter und schlecht für ihre Eigentümer (außer für die gut bezahlten Investmentbanker, die gleichzeitig Aktien halten).

Dass es absehbar viel besser wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Zwar beabsichtigt die Bank, insgesamt fünf Milliarden Euro an die Aktionäre zurückzuzahlen, via Dividenden und/oder den Rückkauf von Aktien. Aber über welchen Zeitraum sie dies zu tun gedenkt, lässt die Führung bislang offen.

Und ob die Bank es sich leisten kann, ihre Aktionäre überhaupt endlich einmal angemessen zu befriedigen, hängt maßgeblich davon ab, wie die gut gepolsterten Investmentbanker ihren Job machen. Denn der Großteil des Konzerngewinns wird von ihnen erwirtschaftet, allen Versprechen einer ausgewogeneren Mischung der Geldquellen zum Trotz. Die anderen Kernsparten – die Vermögensverwaltung, das Massenkundengeschäft und die sogenannte Unternehmensbank – sind zahlenmäßig wenig mehr als halbschmuckes Beiwerk.

Das ist ein Problem, ebenso wie der Umstand, dass der Boom im Investmentbanking deutlich nachlässt. Das gehörte seit Pandemieausbruch zu den Coronagewinnern. Viele Unternehmen wandten sich rat- und kapitalsuchend an ihre jeweiligen Kreditinstitute, wovon auch die Deutsche Bank profitierte. Deren Handel mit Wertpapieren florierte, insbesondere der mit Staats- und Unternehmensanleihen, der ihre Paradedisziplin ist.

Doch die große Nervosität in der Wirtschaft ist vorbei, auch wenn abzuwarten bleibt, ob und wie die Ukrainekrise durchschlägt. Bereits im vierten Quartal 2021 sah das Ergebnis im Investmentbanking  äußerst mau aus. Sollte sich das Coronavirus allmählich totlaufen und die Lage normalisieren, ist es vorbei mit den Glory Days im Trading. Die aber bräuchte es, um das selbst gesteckte Ziel der Bank von acht Prozent Eigenkapitalrendite in diesem Jahr zu erreichen. Ende 2021 lag die Rendite bei 3,8 Prozent, in den ersten neun Monaten hatte sie noch 4,8 Prozent betragen. Allein die Hoffnung darauf, dass der teure Umbau der Bank weitgehend abgeschlossen ist und die Kosten entsprechend sinken, wird nicht ausreichen – es muss auch Geld hereinkommen. Und dass sich der Konzern noch jahrelang mit rabattiertem Notenbankgeld vollsaugen kann, ist angesichts der bevorstehenden Wende in der Geldpolitik  unwahrscheinlich.

»Preisanpassungen im Einlagengeschäft«, wie Sewing die Strafzinsen auf Guthaben von Firmen und Sparern nennt, können die nachlassende Dynamik im Investmentbanking jedenfalls nicht kompensieren; selbst wenn die Deutsche Bank mit jenen Strafzinsen allein im vergangenen Jahr 360 Millionen Euro verdient hat.

Auch die monströsen Coronahilfen der Regierungen, von denen vor allem Banken implizit profitiert haben, lassen sich nicht ins Unendliche fortschreiben. Die Übernahme von Kreditausfallrisiken durch den Steuerzahler war einer Ausnahmesituation geschuldet, die Risikovorsoge für Darlehensausfälle war extrem niedrig. Seltsam übrigens, dass Sewing am Donnerstag nicht ein Wort des Dankes an den Bund richtete für die Staatshaftung, die es der Kreditwirtschaft – und damit auch seiner Bank – ermöglichte, sich zum Retter in der Coronakrise zu stilisieren.

Ärger mit der DWS

Bleibt der »Signature Move« der Deutschen Bank, der Skandalfaktor. Da bleibt der Konzern ein verlässlicher Schlagzeilenlieferant. Die US-Notenbank Fed  etwa findet, dass die Bank bei ihren Programmen schlampt, die darüber wachen, dass die Regeln eingehalten werden. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat ihr gerade 8,7 Millionen Euro Bußgeld  auferlegt, weil das Institut EU-Vorgaben nicht wirksam umgesetzt hat, die eine Manipulation des Referenzzinssatzes Euribor verhindern sollen. In Spanien muss sie wegen Beratungsfehlern  Millionen erstatten.

Getoppt wird all das von ihrer Konzerntochter DWS, die fast eine Billion an Kundenvermögen an den Kapitalmärkten angelegt hat. Deren Chef Asoka Wöhrmann hat gleich zwei Skandale an der Backe. Da sind die Vorwürfe seiner ehemaligen Nachhaltigkeitschefin Desirée Fixler. Die nach kurzer Amtszeit öffentlichkeitswirksam gefeuerte Amerikanerin wirft der DWS-Führung vor, das Geld der Kunden weitaus weniger »grün« anzulegen als behauptet. Die US-Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium untersuchen die Vorwürfe. Beide Institutionen neigen nicht zur Nachsicht, speziell in Sachen Deutsche Bank, ehedem Hausbank des mehrfach gescheiterten Immobilienunternehmers Donald Trump.

Zudem pflegte Wöhrmann eine kuriose Nähe zu dem undurchsichtigen Geschäftsmann Daniel Wruck . Beide Männer schickten sich 2017 einen sechsstelligen Geldbetrag hin und her, angeblich ging es um den Kauf eines Porsche Panamera. In zeitlicher Nähe allerdings suchte Wruck Investoren für ein Fintech-Unternehmen. Geld kam unter anderem von der Deutschen Bank. Einfädler auf deren Seite: Wöhrmann, seinerzeit Chef des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank. Dass Wöhrmann damals von seinem privaten Account aus Mails mit teils vertraulichem Anhang  verschickte, macht die Sache nicht besser. Sie stinkt himmelwärts.

Wie lange Sewing noch an Wöhrmann festhält, ist unklar. Der Deutsche-Bank-CEO blieb dazu am Donnerstag nebulös, – gezwungenermaßen angesichts laufender Ermittlungen. Aber Entertainment fürs Publikum, so viel ist klar, wird die Deutsche Bank auch weiterhin liefern. So langweilig kann die Bank gar nicht werden.