Deutsche Bank Spitzenbanker fliehen zur Konkurrenz

Die Deutsche Bank muss den Weggang wichtiger Investmentexperten verkraften. Ganze Teams des Frankfurter Geldinstituts wollen zu Wettbewerbern wechseln.


Deutsche Bank in Frankfurt am Main: "Erhebliche Irritationen"
DPA

Deutsche Bank in Frankfurt am Main: "Erhebliche Irritationen"

Frankfurt am Main - Der amerikanische Deutsche-Bank-Konkurrent Lehman Brothers hat aus dem Frankfurter Team für die Beratung bei Fusionen und Übernahmen fünf Banker abgeworben, berichtet die "Financial Times Deutschland". Weitere seien in weit fortgeschrittenen Gesprächen über einen Wechsel, sagt ein mit der Situation vertrauter Banker. Die beteiligten Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.

Pikant ist, dass der Leiter Finanzinstitutionen, Michael Bonacker, unter den Abtrünnigen ist. Bonacker hatte für die Deutsche Bank Chart zeigen im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main ein Wertgutachten für die Frankfurter Sparkasse erstellt. Lehman berät die Helaba, die derzeit über den Kauf der Fraspa verhandelt. Die Personalie habe zu "erheblichen Irritationen geführt", heißt es in Bankenkreisen.

Ebenso unangenehm für die Bank: In der Sparte Global Banking hat der Europachef für den Bereich Financial Institutions, Charles Murphy, gekündigt. Der 43-jährige wechselt laut einem Bericht des "Handelsblatt" zum Konkurrenten Credit Suisse First Boston (CSFB) in London.

Finanzkreise berichten, dass Murphy nicht allein gehen will. Bis zu zehn Kollegen von der Deutschen Bank sollen ihm zur CSFB folgen. Dies versucht Murphys Noch-Arbeitgeber allerdings zu verhindern. Teilweise mit Erfolg. Die Bank habe einigen Bankern den Verbleib bei dem deutschen Branchenprimus schmackhaft machen können, heißt es in Finanzkreisen.

Die Deutsche Bank streicht im Konzern massiv Stellen. Insgesamt fallen 6400 Jobs weg, während gleichzeitig 1200 neue in Niedriglohnländern entstehen. Die Bank nennt diesen Prozess "Smartsourcing". Ungefähr 2700 Stellenstreichungen entfallen auf das Investmentbanking, in dem Aktien- und der Rentenhandel zusammengelegt wurden. Für Deutschland hatte das Geldinstitut im Dezember den Abbau von 2300 Stellen in Verwaltung und Abwicklung und die Einrichtung 450 neuer Arbeitsplätze im Kunden- und Produktgeschäft angekündigt.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.