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22. April 2005, 08:26 Uhr

Deutsche Börse

Seifert sitzt laut Großaktionär auf zu viel Geld

Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert hat schon wieder Ärger mit einem Großaktionär. Nach Ansicht von Union Investment hortet der Handelsplatz zu viel Bargeld. Die Fondsgesellschaft hat deshalb die vollständige Ausschüttung des Bilanzgewinns 2004 an die Anteilseigner beantragt.

Werner Seifert: Herbe Kritik am Management
DPA

Werner Seifert: Herbe Kritik am Management

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse AG sei überkapitalisiert, heißt es zur Begründung in einem Gegenantrag des Fonds zur Tagesordnung der nächsten Hauptversammlung. Die Börse wollte bislang 78,3 Millionen Euro in Form einer Dividende an die Aktionäre ausschütten, 148,5 Millionen Euro sollten in eine Gewinnrücklage fließen.

Dieser Betrag stünde nach den Worten eines Unternehmenssprechers dann für weitere Aktienrückkäufe zur Verfügung. Derzeit läuft bereits ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 448 Millionen Euro. "Wir begrüßen die Rückmeldung unserer Aktionäre, in welcher Form wir ihnen Mittel zur Verfügung stellen sollen", sagte der Sprecher am Freitagmorgen.

Union Investment ist mit gut vier Prozent einer der größten Aktionäre des Konzerns, der derzeit mit seinen Anteilseignern im Clinch über die zukünftige Strategie liegt. Angeführt wird die Revolte von dem britischen Hedgefonds TCI sowie dem US-Fonds Atticus Capital. Beide halten dem Vernehmen nach gemeinsam etwa 13 Prozent an der Deutschen Börse. Angaben aus Bankenkreisen zufolge haben sich weitere Investoren bei den Frankfurtern eingekauft. Insgesamt besäßen die Seifert-Kritiker inzwischen fast ein Drittel der Stimmrechte, heißt es in Frankfurt.

TCI fordert nach der bereits zum zweiten Mal gescheiterten Übernahme der London Stock Exchange (LSE) durch die Deutsche Börse unter anderem den Rücktritt von Vorstandschef Seifert und will Aufsichtsratschef Rolf Breuer auf der Hauptversammlung des Konzerns im Mai abwählen lassen.

Seifert und TCI-Chef Christopher Hohn liefern sich seit Tagen ein öffentliches Gefecht, das über von beiden Seiten mittels an die Presse gestreuter Briefe ausgetragen wird. Anfang der Woche etwa schrieb Seifert, die Forderungen von TCI seien von "extremer Natur" und entbehrten "jeder vernünftigen Grundlage".

Auch ansonsten zeigt der Börsenchef inzwischen Nerven. Anfang des Monats kündigte die Deutsche Börse sämtliche Abonnements der "Financial Times Deutschland". Zuvor hatte das Wirtschaftsblatt Seifert auf seiner Meinungsseite als "laut, störrisch und zuletzt verzweifelt" bezeichnet und dem Manager vorgeworfen, in den vergangenen zwei Jahren nur Misserfolge produziert zu haben.

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