Deutsche-Dresdner-Fusion Betriebsrat und Gewerkschaften streiten um Jobabbau

Die Aufsichtsräte der Deutschen und der Dresdner Bank haben in getrennten Sitzungen das Fusionskonzept der Vorstände gebilligt. Nach Darstellung des Betreibsrats der Dresdner Bank sollen weniger als die bislang diskutierten 16.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die Gewerkschaften sehen das anders.


Nach der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank kommt das Unternehmen auf eine Bilanzsumme von 2,5 Billionen Mark
AP [M]

Nach der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank kommt das Unternehmen auf eine Bilanzsumme von 2,5 Billionen Mark

Frankfurt am Main - Tatsächlich würden viel weniger Stellen abgebaut, sagte der Betriebsratschef der Dresdner-Bank-Zentrale in Frankfurt, Sultan Salam, im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung. Wie viele es sind, wollte er aber nicht sagen. Der Vorstand der Dresdner habe mit Blick auf den geplanten Stellenabbau Zugeständnisse gemacht. Man habe sich darauf verständigt, den Stellenabbau sozialverträglich zu gestalten. Unter anderem sei über Vorruhestandsregelungen gesprochen worden, so Salam

Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) gehen dagegen davon aus, dass noch mehr Jobs auf der Kippe stehen. Sie sprechen von 16.300 Arbeitsplätzen, die wegen der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank verloren gehen werden. Stark betroffen ist nach Gewerkschaftsangaben vor allem die Tochter Bank 24, in die neben der bisherigen Deutschen Bank 24 auch das Filialnetz der Dresdner eingebracht werden soll. Den Stellenabbau bei der Bank 24 bezifferten die Gewerkschaften mit 5000.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE warf Salam den Gewerkschaften in diesem Zusammenhang "Panikmache" vor, um "Mitglieder einzufangen". Der Stellenabbau werden im vernünftigen Rahmen innerhalb von zwei bis drei Jahren stattfinden. Dazu wolle man die Fluktuation und eine Reihe von Ausstiegsmodellen nutzen. In den kommenden Tagen würden in beiden Häusern Kommissionen gebildet, die erst einmal ermitteln müssten, wie viele Mitarbeiter und welche Bereiche von den Streichungen betroffen sind. "Die Zahlen, die jetzt diskutiert werden, sind theoretisch", sagte Salam.

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hatte bislang von weltweit 16.000 Arbeitsplätzen gesprochen - davon allein 14.000 in Deutschland. Nach diesen Angaben sollten im Privatkunden- und Massengeschäft 5900 und bei der Informationstechnik 3700 Stellen gestrichen werden. Im Geschäftsbereich Firmenkunden würden weitere 3000 Jobs eingespart, so Breuer.

Die eigentlichen Fusionspläne stehen nicht in Frage. Nachdem die Aufsichtsräte das Vorhaben abgesegnet haben, müssen nun noch die außerordentlichen Hauptversammlungen im November dem Zusammenschluss zustimmen. Die Vorbereitungen zu der Fusion sollten aber umgehend in Angriff genommen werden, teilten die beiden Banken mit.



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