Zur Ausgabe
Artikel 35 / 99
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Deutsche Firmen ohne Hi-Fi

aus DER SPIEGEL 37/1989

Die wenigen Hersteller von Unterhaltungselektronik, die noch in deutschem Eigentum verblieben sind, überlassen ein weiteres Feld den Konkurrenten aus Fernost. In aller Stille haben sich die Firmen Loewe, Metz und Blaupunkt nun völlig aus dem sogenannten Audiogeschäft zurückgezogen. Sie beschränken sich künftig ausschließlich auf Fernseh- und Videogeräte. In dem Geschäft mit Kompaktanlagen oder Hi-Fi-Bausteinen ist nur noch eine deutsche Firma übriggeblieben: das schwäbische Familienunternehmen Schneider, das die Geräte mit dem Markenzeichen Schneider und unter dem Namen der Tochterfirma Dual verkauft. In eigenen Fabriken hatten Loewe, Metz und Blaupunkt ihre Audioprodukte schon seit langem nicht mehr hergestellt. Sie bezogen die Ware komplett montiert bei Konkurrenten in Japan, Korea oder Singapur. Der völlige Rückzug der drei Firmen aus dem Hi-Fi-Markt kommt für die Branche dennoch überraschend, denn im Gefolge des CD-Booms war das Musikgeschäft wieder zunehmend interessanter geworden. Von dem Trend zu höherwertigen Verstärkern, Kassettenrecordern und CD-Geräten versuchten vor allem die Manager der Bosch-Tochter Blaupunkt zu profitieren. Noch vor wenigen Monaten warben sie in großformatigen Anzeigen für eine neue Produktlinie, hergestellt vom japanischen Unternehmen Sansui. Doch kurz vor der Funkausstellung in Berlin ließen die Konzernstrategen von Bosch die Kampagne stoppen: Die Hildesheimer hatten ihrer Muttergesellschaft nicht zusichern können, mit dem neuen Hi-Fi-Programm innerhalb von drei Jahren Geld verdienen zu können.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 35 / 99
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.