Auswertung der Behörden Deutsche Großstädte schrumpfen im zweiten Jahr in Folge

Lange schienen die Großstädte unaufhaltsam zu wachsen – 2021 aber schrumpften sie zum zweiten Mal in Folge. Eine Ursache findet sich in der Analyse des Einwohnermeldeamtes.
Fußgängerzone in Leipzig: Eine von fünf Städten, die noch wächst

Fußgängerzone in Leipzig: Eine von fünf Städten, die noch wächst

Foto: Jan Woitas / dpa

Auch im zweiten Pandemiejahr haben die deutschen Großstädte durchschnittlich an Bevölkerung verloren. Das zeigt eine Auswertung der Einwohnermeldedaten. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) hatten die Daten der 15 größten deutschen Städte analysiert.

Stagnation und Schrumpfung der Großstädte hätten sich fortgesetzt, schreiben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen um den Stadtsoziologen Dieter Rink. Bis 2019 waren die Städte noch fast ausnahmslos gewachsen. 2021 gab es bei der Bevölkerungsänderung – wie schon 2020 – ein Minus von 0,18 Prozent.

Köln und Bremen schrumpfen, Leipzig wächst

Zwischen den Großstädten gibt es deutliche Unterschiede. In Bremen verdreifachten sich die Bevölkerungsverluste im Jahresvergleich. Auch Köln verlor 2021 mehr als doppelt so viele Einwohner wie noch 2020. Fünf Großstädte konnten dagegen wachsen: allen voran Leipzig, gefolgt von Berlin, Hannover, Hamburg und München.

Dass einige Städte schrumpfen, hänge mit starken Einbrüchen bei der Zuwanderung zusammen, so die Autorinnen und Autoren. Auch steige die Zahl der Sterbefälle mehr als die Zahl der Geburten über alle Großstädte hinweg. 2020 waren beide Entwicklungen allerdings deutlich ausgeprägter gewesen: Damals hatte es sogar einen Geburtenrückgang um 2,5 Prozent gegeben, die Anzahl der Sterbefälle war um knapp fünf Prozent gewachsen.

Bringen Geflüchtete aus der Ukraine wieder Zuwachs?

Es sei derzeit schwierig zu bestimmen, wie groß der Einfluss der Pandemie an der Stadtentwicklung ist, sagte Studienautor Rink. Durch Russlands Krieg in der Ukraine erlebe Deutschland derzeit jedoch eine starke Fluchtzuwanderung. »Wir gehen von einer weiteren Zuwanderung in die großen Städte auch in naher Zukunft aus«, so Rink. »Aber sie wird sich auf einem niedrigeren Level als vor der Pandemie bewegen und selektiv sein.« Angespannte Wohnungsmärkte und hohe Mieten in den meisten Großstädten hemmten zugleich die Zuwächse.

Die Forscher haben die Bevölkerungsentwicklung in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln, München, Leipzig, Dresden, Hannover, Düsseldorf, Essen, Bremen, Stuttgart, Nürnberg, Dortmund und Duisburg analysiert.

jlk/dpa
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