Deutsche Konjunktur Ökonomen erwarten schnelleres Wachstum

Kommt die Erholung nach der Wirtschaftskrise früher als erwartet? Der IWF ist skeptisch - doch führende deutsche Ökonomen geben einen überraschend positiven Ausblick: Schon Ende des Jahres könnte es wieder ein leichtes Wachstum geben.

Berlin - Die Nachfrage nach Investitionsgütern und eine gute Auftragslage sind für die Experten Anlass genug zur Hoffnung. "Wir hatten damit gerechnet, dass es wieder aufwärts geht. Aber dass es so stark hochgeht, hat uns überrascht", erklärte Kai Carstens, Konjunkturexperte beim Münchner Ifo-Institut, in der Zeitung "Die Welt". "Es könnte sein, dass die Welt besser dasteht als bisher gedacht."

Warmwalzwerk in Duisburg: Konjunkturprogramme entfalten ihre Wirkung

Warmwalzwerk in Duisburg: Konjunkturprogramme entfalten ihre Wirkung

Foto: ddp

"Den Boden haben wir erreicht. Im nächsten Jahr, vielleicht schon Ende dieses Jahres, werden wir eine leichte Aufwärtsbewegung erleben", sagte auch Wolfgang Franz, Vorsitzender der Wirtschaftsweisen und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. "Die weltweiten Konjunkturprogramme werden in den kommenden Monaten ihre Wirkung entfalten, das wird die Aufwärtsbewegung verstärken."

Die Industrieproduktion in Deutschland war im Mai gegenüber dem Vormonat kräftig um 5,1 Prozent gestiegen, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin am Mittwoch berichtet hatte - der stärkste Zuwachs im Monatsvergleich seit 1991. Allerdings liegt das aktuelle Produktionsniveau wegen des vorherigen Absturzes um mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Ganz einheitlich ist das Bild jedoch nicht. Im Gegensatz zu anderen Branchen sieht die deutsche Elektroindustrie noch kein Ende der konjunkturellen Talfahrt. Die Auftragseingänge seien im Mai um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Aus dem Inland seien 29 Prozent weniger Bestellungen gekommen, aus dem Ausland 46 Prozent. "Eine wirkliche Bodenbildung lässt damit weiter auf sich warten", sagte der Chefvolkswirt des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), Andreas Gontermann.

Zwar habe es im Mai gegenüber April dieses Jahres "ein leichtes Plus bei allen Kennziffern gegeben, dies können wir aber noch nicht sicher als Trendwende werten", fügte Gontermann hinzu. Auch im Juni hätten die Unternehmen der Elektroindustrie ihre aktuelle Lage "so schlecht beurteilt wie nie zuvor", sagte Gontermann. Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate hätten sich zwar zum sechsten Mal in Folge erholt, allerdings seien im Fünf-Monate-Vergleich (Januar bis Mai) insgesamt 36 Prozent weniger Aufträge eingegangen als in den ersten fünf Monaten 2008, sagte Gontermann.

Am Mittwoch hatte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für die Wirtschaftsentwicklung weltweit leicht um 0,5 Prozentpunkte angehoben. Die globale Konjunktur komme langsam aus der Rezession, die Stabilisierung werde aber unstet und gedämpft verlaufen, hieß es.

Allerdings senkte der Währungsfonds die Prognose für das laufende Jahr um 0,1 Punkte auf minus 1,4 Prozent. 2010 werde die Weltwirtschaft aber voraussichtlich um 2,5 Prozent wachsen - und damit um 0,6 Punkte mehr als bisher erwartet.

Für Deutschland und den Euro-Raum hatte der Währungsfonds indes erneut seine Vorhersage gesenkt. Für 2009 wird ein Wachstumseinbruch um 6,2 Prozent erwartet, für das kommende Jahr eine leicht negative Rate von minus 0,6 Prozent. In der Euro-Zone schrumpfe die Wirtschaft dieses Jahr um 4,8 Prozent, im nächsten Jahr werde es ein Minus von 0,3 Prozent geben, teilte der IWF mit.

mik/AP/dpa/ddp
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