Deutsche Post Kippt die EU-Kommission den Börsengang?

Die Deutsche Post AG muss ihren für den Herbst geplanten Börsengang möglicherweise vorerst begraben. Die EU-Kommission gehe außer der bekannten Subventionsbeschwerde auch dem Verdacht der missbräuchlichen Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung nach, hieß es aus Brüssel.


Kämpft um den Börsengang: Post-Chef Kaus Zumwinkel
REUTERS

Kämpft um den Börsengang: Post-Chef Kaus Zumwinkel

Brüssel/Düsseldorf - Der Börsengang der Post könnte ins Stocken geraten, weil das Subentionsverfahren länger als erwartet dauere, berichtet das "Handelsblatt". Außerdem sei der Ausgang ungewiss. Die Banken könnten deshalb die Risiken nicht eingrenzen und so letztlich noch keinen Emissionspreis bestimmen. Die Deutsche Post wollte den Bericht nicht kommentieren.

United Parcel Service (UPS) hatte gegen das Bonner Unternehmen bei den Brüsseler Wettbewerbshütern Beschwerde eingelegt, da Subventionen des Bundes und die Verquickung von Paket- und monopolistischer Briefzustellung dem Konzern unrechtmäßige Vorteile verschaffe. Eine Entscheidung dazu wird bis zur Brüsseler Sommerpause erwartet.

UPS hält es für denkbar, dass die EU-Kommission die Post auffordern werde, die kommerziellen Bereiche von den Pflichtbereichen Brief und Paket abzutrennen, um am Markt klare Verhältnisse zu schaffen, heißt es. Nach den Zeitungsinformationen behauptet das US-Unternehmen, dass auf die Deutsche Post die höchste jemals verhängte Beihilfenrückzahlung zukommen werde.

Vertreter der Deutschen Post und des US-Kurierdienstes trafen Kommissionskreisen zufolge zu Wochenbeginn in Brüssel zusammen. Laut "Handelsblatt" waren Post-Chef Klaus Zumwinkel und der FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff am Dienstag in Brüssel, um sich bei EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein über dessen Pläne für die Post-Liberalisierung in Europa zu informieren. Die Rolle Lambsdorffs dabei ist ungeklärt.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hatte vor knapp zwei Monaten bereits moniert, die Deutsche Post habe "in den vergangenen zwei Jahren eine außerordentlich starke Marktposition bei den verschiedenen Post- und Frachtdiensten aufbauen können, so dass etwaige weitere Fusionspläne einer strengen Prüfung unterzogen werden müssten".



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.