Deutsche Post In 19 Jahren gut 900 Filialen geschlossen

Während das Briefporto regelmäßig steigt, ist die Zahl der Postfilialen in den vergangenen Jahren gefallen. Sie liegt nur noch knapp über dem gesetzlichen Minimum.

Seltener Anblick: Eine der 1000 Postfilialen, die der Konzern noch selbst betreibt
Olaf Döring / imago images

Seltener Anblick: Eine der 1000 Postfilialen, die der Konzern noch selbst betreibt


Die Zahl der Postfilialen in Deutschland ist in den vergangenen knapp 20 Jahren um knapp 7 Prozent gesunken. Im Jahr 2000 gab es noch rund 13.700 Filialen, im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 12.700.

Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Darunter sind allerdings immer weniger "echte" Postfilialen, die vom Konzern selbst und mit eigenen Mitarbeitern betrieben werden. Deren Zahl ist von 6000 auf nur noch 1000 gesunken. 92 Prozent der "Filialen" sind heute sogenannte Postagenturen von privaten Anbietern, etwa in Zeitschriften- oder Lotto-Läden. Zwischenzeitlich betrieb die Post in den Jahren 2012 und 2013 sogar nur noch 596 Filialen selbst, danach stieg die Zahl wieder an.

Auch bei den Briefkästen hat der Konzern abgebaut: Im Jahr 2002 - frühere Daten liegen laut Bundesregierung nicht vor - gab es demnach 130.000, im ersten Halbjahr 2019 noch knapp 110.000 der gelben Kästen in Deutschland.

"Bürgernäher, arbeitnehmerfreundlicher, preiswert"

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch kritisierte die Entwicklung. "Die Deutsche Post muss mehrheitlich zurück in die öffentliche Hand", sagte er. Der Service bei der Post werde seit Jahren nicht besser, sondern schlechter. "Für viele Bürgerinnen und Bürger ist es ein großes Ärgernis, wenn Post-Filialen in ihrem Ort schließen und gleichzeitig das Porto steigt." Als die Deutsche Post in öffentlichem Besitz war, sei sie bürgernäher, arbeitnehmerfreundlicher und preiswerter gewesen.

Die Bundesregierung verweist in ihrer Antwort auf die "Post-Universaldienstleistungsverordnung". Darin ist eine Grundversorgung vorgeschrieben: So muss es bundesweit mindestens 12.000 "stationäre Einrichtungen" für den Postversand geben, mindestens eine Einrichtung in allen Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern und in allen Landkreisen jeweils eine pro 80 Quadratkilometer Fläche.

Mehr Arbeitnehmerrechte für Paketzusteller

Auch die Versorgung mit Briefkästen ist per Verordnung geregelt. Für Bewohner in zusammenhängend bebauten Wohngebieten darf der nächste Briefkasten nicht weiter als einen Kilometer entfernt sein.

Eine Post-Sprecherin wandte sich gegen die Kritik der Linken: Die Öffnungszeiten bei den privaten Partnerfilialen im Einzelhandel seien im Schnitt länger als früher in den eigenen Filialen. Außerdem gebe es zusätzlich 11.000 Paketshops, 3700 Packstationen und 2500 Verkaufspunkte für Briefmarken. Kunden könnten außerdem Brief- oder Paketservices im Internet nutzen. Die Briefkastendichte sei außerdem höher als vorgeschrieben, sagte die Sprecherin.

Die Bundesregierung hat an diesem Mittwoch einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Paketzusteller besser schützen und die Arbeitsbedingungen bei großen Paketdiensten verbessern soll: Mit dem Gesetzentwurf wird die sogenannte Nachunternehmerhaftung auf die Kurier-, Express- und Paketbranche ausgeweitet. Damit haften die großen Paketdienste dafür, dass von ihnen beauftragte Subunternehmer für ihre Mitarbeiter die Sozialbeiträge korrekt abführen.

Eine ähnliche Regelung gibt es bereits für die Bau- und die Fleischbranche. Die Koalition will damit Missbrauch in der boomenden Paketbranche eindämmen. Allein in diesem Jahr wird mit etwa 3,7 Milliarden Paketen in Deutschland gerechnet.

mamk/dpa-afx/Reuters



insgesamt 19 Beiträge
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stolte-privat 18.09.2019
1. In gleichem Maße...
...wie die Zahl der Filialen hat auch die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Postzustellungen abgenommen. Nur das Porto ist zuverlässig gestiegen.
strjk 18.09.2019
2. Vom Amt zur Agentur
In unseren Örtchen gab es vor Jahren eine echte Postfiliale mit vollem Service. Von Briefmarke bis Sparbuch. Danach eine gute Agentur, dann eine Agentur und inzwischen möchte ich den Laden nicht mal Agentur nennen. Bankdienste sind komplett eingestellt. Päckchen liegen im Verlaufsraum rum da abgeschlossener Lagerraum unzureichend ist oder nicht genutzt wird. Adressen und Absender sind für jeden Kunden gut lesbar (Datenschutz ?). Fast leere Regale stehen im Raum rum. Die Öffnungszeiten sind ein Witz. Berufstätige die nicht im Ort arbeiten können eigentlich nur Samstag Vormittag Päckchen abholen oder müssen Urlaub nehmen. Die Agentur ist öfter geschlossen als geöffnet - zumindest wenn ich zweimal am Tag da vorbei fahre. Traurig auf welchem Niveau die Post inzwischen angekommen ist.
spon_3055608 18.09.2019
3. nichts als Raffgier und Gewinnmaximierung
Obwohl die Anwohner-zahl in meinem Standteil in den letzten Jahren drastisch gestiegen ist,- nicht zuletzt durch ein neues Wohngebiet, wurde die Post geschlossen. Wann aus welchen Gründen auch immer, zB um ein Paket abzuholen sind 2.90€ für einen Busfahrschein einfach fällig. Was allein die Kost, um ein bereits bezahltes Pakte abzuholen auf 5.80€ treibt. An Weihnachten und Osten wickelt sich die Warteschlange dann um den Häuserblock. Die Postangestellten können einem dann nur leid tun. Sie wirken nicht nur erschöpft und überarbeitet,- sie sind es vermutlich auch. Die sog Postagenturen sind kein Ersatz für ein Postamt denn sie bieten nur einen Bruchteil der Leistungen wegen denen man zur Post gehen muss: Einschreiben Zahlungsanweisung, Express-sendung ins Ausland, Personal-ident ect. Der Inhaber eines lokalen Schreibwarengeschäfts/ Postagentur sagte mir, er dürfe noch nicht mal ein Paket wiegen. Man kann das zwar alles schön-reden, aber das ändert überhaupt nicht an der faktischen Misere, wen die Oma kilometerweit zB ein Paket nach hause schleppen muss, weil sich das zuständige Postamt am Rande der bewohnten Welt befindet.
microphone 18.09.2019
4. Post - nein danke!
Momentan werden dem Kunden die Neuerungen für die Bücher- und Warensendung als Verbesserung angepriesen. Alles nur zum Vorteil des Kunden. Haha - die denken wirklich ihre Kunden sind alle verblödet! Immer weniger Leistung für mehr Geld und die Chefetage füllt sich ordentlich die Taschen, während die Angestellten auf dem Zahnfleisch kriechen!
Barfüsser 18.09.2019
5. Das
ist das Hohelied der Marktwirtschaft.Service reduzieren, Preise erhöhen und damit die Gewinne maximieren. Was waren das noch Zeiten, als der Zusteller beamtet war und in den Fünfziger Jahren sogar Vor-und Nachmittags kam.
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