Deutsche Telekom Berichte über Job-Kahlschlag

Damit der Aktienkurs steigt und der Schuldenberg schrumpfen kann, will die Telekom Medienberichten zufolge im großen Stil Stellen streichen. Angeblich stehen kurzfristig bis zu 30.000 Jobs auf der Kippe.


Firmen-Fahnen im Sturmwind: Bei der Telekom soll angeblich in manchen Bereichen jeder zehnte Schreibtisch abgeräumt werden
AP

Firmen-Fahnen im Sturmwind: Bei der Telekom soll angeblich in manchen Bereichen jeder zehnte Schreibtisch abgeräumt werden

Bonn - Die Telekom nimmt offiziell noch nicht Stellung, Gewerkschaftskreise aber sind der "Financial Times Deutschland" zufolge bereits alarmiert. Die Zeitung beruft sich auf einen namentlich nicht genannten Verdi-Vertreter und berichtet, allein in der Festnetzssparte T-Com sollten 20.000 Stellen wegfallen. Bisher sei lediglich von 10.000 Arbeitsplätzen die Rede gewesen. Weitere 10.000 Stellen stünden bei Töchtern wie T-Mobile und der Systemhaussparte T-Systems zur Disposition.

Die "FTD" zitiert zudem einen "T-Mobile-Insider" mit den Worten: "Wir wollen die Zahl der Beschäftigten dem Markt anpassen." Auf betriebsbedingte Kündigungen solle aber verzichtet werden. Auch einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zufolge will der Vorstand über einen sozialverträglichen Personalabbau mit der Arbeitnehmerseite verhandeln.

Am Mittwoch hatte bereits das Magazin "Capital" vorab vom angeblichen Abbau von 15.000 der 118.000 Stellen bei T-Com berichtet. Auch die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, bei T-Com solle "in absehbarer Zeit" jede zehnte Stelle gestrichen werden - dieser Angabe zufolge wären ebenfalls 15.000 Jobs betroffen. Die Zahl der derzeit bei T-Com Beschäftigten sei nach Einschätzung von Experten - zumindest gemessen an verschiedenen internationalen Wettbewerbern - trotz kontinuierlicher Verkleinerung der Belegschaft immer noch zu hoch.

Die Telekom steht vor massiven Konsolidierungsaufgaben. Der ehemalige Staatsmonopolist leidet unter einem Umsatzeinbruch im Bereich Festnetz-Telefonie und hat einen Schuldenberg von 67,2 Milliarden Euro angehäuft. Telekom-Chef Ron Sommer steht unter Druck, nachdem die T-Aktie in den letzten Wochen unter den Ausgabekurs des Jahres 1996 gefallen war und wiederholt Rekord-Tiefststände erreicht hatte.



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