Deutsche Telekom Neue Ermittlungen wegen Bilanzen


Bonn - Die Bonner Staatsanwaltschaft überprüft im Rahmen der Ermittlungen gegen Vorstände und Aufsichtsräte der Deutschen Telekom wegen möglicher Falschbilanzierung nun auch die Bewertung der technischen Ausrüstung des Unternehmens.

Staatsanwalt Roland Wangen sagte am Freitag, man habe im Zuge der Ermittlungen Ansatzpunkte, um die Richtigkeit der Bewertung des technischen Anlagevermögens zu überprüfen. Um eine Ausweitung der Ermittlungen handele es sich dabei nicht. "Es sind keine neuen Beschuldigten aufgetaucht und es wird auch nicht wegen neuer Straftaten ermittelt."

Zu den Hintergründen der erst jetzt hinsichtlich des technischen Anlagevermögens aufgenommenen Ermittlungen wollte der Staatsanwalt keine weiteren Angaben machen. In Justizkreisen hieß es, wahrscheinlich sei, dass es nach Vorermittlungen nun einen Anfangsverdacht gebe, dass das technische Anlagevermögen ebenfalls falsch bewertet sein könnte.

Die Ermittler untersuchen bereits seit längerem die Bilanzierung des Immobilienvermögens des Konzerns. Die Telekom hatte zu Jahresbeginn eine Sonderabschreibung auf ihren Immobilienbesitz in Höhe zwei Milliarden Euro vor Steuern vorgenommen. Die Telekom bestreit, ihren Immobilienbesitz falsch oder nicht sachgerecht bewertet zu haben. Mit dem Vorwurf der Falschbewertung des Immobilienvermögens und dementsprechend falscher Börsenprospekte und Bilanzen sind im In- und Ausland mehrere Schadensersatzklagen gegen die Telekom und die verantwortlichen Emissionsbanken anhängig.

Kurs notiert schwächer

Das technische Anlagevermögen, das unter anderem die Netz- und Vermittlungstechnik umfasst, war in der Eröffnungsbilanz der Telekom im Rahmen der Privatisierung des Unternehmens zum Stichtag 1. Januar 1995 um rund 15 Milliarden Mark auf 86 Milliarden Mark abgewertet worden. Dagegen hatte es bei der Bilanzierung des Immobilienvermögens eine Aufwertung gegeben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die sich auf den Zeitraum zwischen 1990 und 1995 beziehen, könnten nach Angaben aus Unternehmenskreisen darauf gerichtet sein, dass der Abwertungsbedarf bei der Telekom-Technik als zu gering erachtet wird. Damit wären die Eröffnungsbilanz und die folgenden Jahrabschlüsse falsch.

Die Telekom-Aktie notierte am Freitag in einem sehr schwachen Börsenumfeld mit 26,52 Euro zwei Prozent unter ihrem Vortageschluss.



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