Deutsche Telekom Obermann warnt vor ausländischer Übernahme

Einschüchterung, Handykontrolle, Prämien für Streikbrecher - Ver.di beklagt sich bitter über die rüden Methoden der Telekom gegen die streikenden Mitarbeiter. Telekom-Chef Obermann rechtfertigt dagegen seine kompromisslose Haltung - ohne Reformen drohe eine feindliche Übernahme aus dem Ausland.


Hamburg - "Kurzfristig nicht", sagte Obermann der "Bild am Sonntag" auf die Frage, ob die Deutsche Telekom Chart zeigenwomöglich bald in ausländische Hände falle. "Aber mittelfristig kann man das nicht ausschließen", fügte Obermann hinzu. Daher müsse das Unternehmen "konkurrenzfähiger werden". Der Telekom-Chef rief Ver.di dazu auf, mit dem Streik nicht das Gelingen des G-8-Gipfels Anfang Juni in Heiligendamm zu gefährden. "Ich gehe davon aus, dass Ver.di hier letztlich Verantwortung zeigt", sagte er. "Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um alle Dienstleistungen für ein Gelingen des Gipfels sicherzustellen."

Telekom-Chef Obermann: Persönliche Zukunft mit der des Unternehmens verknüpft
AP

Telekom-Chef Obermann: Persönliche Zukunft mit der des Unternehmens verknüpft

Obermann verknüpfte zugleich seine persönliche Zukunft im Konzern mit dem Erfolg des Unternehmens. "Unsere Ziele für die nächsten Jahre sind klar: Wachstum im Breitbandgeschäft und im Mobilfunk, zum Beispiel beim mobilen Internet, motivierte und stolze Mitarbeiter. Wenn wir das schaffen, dürfte das auch gut für unsere Aktionäre sein. Wenn nicht, müssen wir die Konsequenzen ziehen. Das gilt dann auch für mich persönlich."

Signale für ein Einlenken sind Obermanns Äußerungen allerdings ebenso wenig zu entnehmen, wie denen von Ver.di. Im Gegenteil - viele Anzeichen deutet darauf hin, dass in den nächsten Tagen eher noch mit einer Verschärfung der Krise zu rechnen ist. Dazu gehören auch die von Ver.di beklagten Schikanen, durch die die Telekom die Streikenden unter Druck zu setzen versucht. "Es wird sogar mit Kündigung gedroht", sagte Streikleiter Ado Wilhelm der "Bild am Sonntag". "Teilweise werden Diensthandys eingesammelt und die SMS kontrolliert, um nachzugucken, wie wir uns organisieren." Wer nicht am Streik teilnehme, bekomme von dem Unternehmen eine Prämie von 300 Euro. "Das ist eine Beleidigung für jeden Streikenden", sagte Wilhelm.

Angesichts der harten Haltung der Telekom drohte Wilhelm mit einer Ausweitung des Arbeitskampfs. "Bisher haben wir uns noch moderat verhalten", sagte der Ver.di-Funktionär. "Aber aus 11.000 Streikenden können schnell 16.000 werden!" Sollte die Telekom diese Linie fortsetzen, werde sich Ver.di "gezielt Bereiche aussuchen, wo mit 20 Leuten ein so zentraler Druck ausgeübt wird, als ob 2000 in den Ausstand treten", kündigte Wilhelm an.

Mehr als 11.000 Mitarbeiter der Deutschen Telekom waren am Freitag in den Streik getreten. Es ist der erste Arbeitskampf seit der Privatisierung des Konzerns vor zwölf Jahren. Als Reaktion auf den Streik hatte Telekom-Chef René Obermann gestern mit dem Verkauf von Service-Sparten gedroht. Streikberechtigt sind laut Ver.di rund 22.000 Beschäftigte der Festnetz-Sparte. Die Beschäftigten wehren sich gegen Obermanns Pläne, 50.000 Service-Mitarbeiter auszugliedern und für weniger Geld länger arbeiten zu lassen.

mik/AFP/dpa



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