Deutsche Telekom Rekordverlust im ersten Halbjahr

Das Voicestream-Abenteuer verhagelt der Deutschen Telekom im ersten Halbjahr 2002 kräftig die Bilanz. Der Telefon-Riese ist noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht.


Sparkurs soll aus dem Schuldental führen: Telekom-Chef Sihler
AP

Sparkurs soll aus dem Schuldental führen: Telekom-Chef Sihler

Bonn - Insgesamt sei im ersten Halbjahr ein Fehlbetrag von 3,9 Milliarden Euro entstanden, berichtete Konzernchef Helmut Sihler am Mittwoch bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz in Bonn. Dies sei vor allem auf Abschreibungen bei neu konsolidierten Gesellschaften wie der US-Mobilfunktochter VoiceStream zurückzuführen. Im gesamten Jahr 2001 hatte Europas größte Telefongesellschaft ein Minus von 3,5 Milliarden Euro ausgewiesen.

Trotz des Rekordverlusts im Halbjahr blieb die Deutsche Telekom Chart zeigen weiter auf Wachstumskurs. Der Konzernumsatz stieg um fast 15 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg ohne Sondereinflüsse um 7,2 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro.

Wesentlicher Wachstumsträger bei der Deutschen Telekom war im ersten Halbjahr erneut die Mobilfunktochter T-Mobile, die ihre Marktführerschaft in Deutschland weiter ausbauen konnte und auch in den USA Boden gut machte. Die Gesamtumsatzerlöse der T-Mobile stiegen um 53 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Das Ebitda erhöhte sich um 86 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro.

Sihler, der vor gut einem Monat Ron Sommer abgelöst hatte, nannte das Ergebnis angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ermutigend und insgesamt sehr zufrieden stellend. Vordringliche Aufgabe des Vorstandes sei nun die Überprüfung der Strategie des Unternehmens.

Dazu gehört vor allem die Rückführung des Schulden. Der Schuldenstand sank zum Ende des zweiten Quartals auf 64,2 Milliarden Euro. Ende März stand die Telekom noch mit 67,3 Milliarden Euro in der Kreide. Sihler bekräftigte das Ziel, das Minus bis Ende kommenden Jahres auf 50 Milliarden Euro zu senken.

Sihler bestätigte, dass in diesem Zusammenhang auch über die Zukunft von VoiceStream nachgedacht werde. Derzeit gebe es Gespräche "mit vielen Beteiligten". Einzelheiten hierzu wollte er aber nicht nennen. Am Dienstag hatte das "Wall Street Journal Europe" über Verhandlungen mit dem US-Konkurrenten Cingular Wireless berichtet. Zusammen mit Cingular käme VoiceStream auf 22 Millionen Kunden. Spekuliert wird zudem über Gespräche der Telekom-Tochter mit AT&T Wireless. Bislang ist allerdings noch nicht abzusehen, auf welches Ergebnis die Gespräche hinauslaufen sollen. Ergebnisse will Sihler erst im November mitteilen.

Bis zum Jahresende soll auch die Entscheidung für den Nachfolger für Sihler fallen. Der Endtermin für seinen Abgang stehe fest, sagte der 72-Jährige.



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