Steuerdebatte 4,2 Millionen Menschen bezahlen Spitzentarif

Die Zahl der Menschen wächst, die den Spitzensteuersatz zahlen. Nach SPIEGEL-Informationen waren es 2019 geschätzt 4,2 Millionen - rund 100.000 mehr als im Jahr zuvor.
Foto: nullplus/ Getty Images/iStockphoto

Immer mehr Steuerzahler haben ein Einkommen, bei dem der Spitzensteuersatz von 42 Prozent fällig wird. Das geht nach Informationen des SPIEGEL  aus einer Schätzung des Bundesfinanzministeriums hervor. Danach kamen 2019 rund 4,2 Millionen Steuerzahler mit ihrem Einkommen in eine Größenordnung, ab der der Spitzentarif fällig wird. Ein Jahr zuvor waren es noch 100.000 weniger.

Damit fällt mittlerweile fast jeder zehnte Einkommensteuerzahler unter den Spitzentarif. 

DER SPIEGEL 5/2020
Foto: Pascal Kerouche/ Universal Music

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Der setzt 2019 für Ledige bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 56.000 Euro ein. Bei sehr hohen Einkommen greift die sogenannte Reichensteuer von 45 Prozent.

Einer der Gründe für die Zunahme: Zwar wurde die Einkommensgrenze für den Spitzentarif in den vergangenen Jahren stetig angehoben – aber nicht in dem Maß, in dem die Löhne stiegen. Dadurch erreichen diese Grenze auch immer mehr Facharbeiter und Angestellte in Branchen mit relativ hohem Lohnniveau.

Auch Linke und SPD für Entlastungen mittlerer Einkommen

Die FDP und Teile der Union fordern schon seit längerem Steuersenkungen und den Abbau des Solidaritätszuschlags auch für die Einkommensreichsten. Kritik kam jüngst aber auch aus eher unerwarteter politischer Richtung: Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte, immer mehr Arbeitnehmer müssten den Spitzensteuersatz zahlen, ohne ein Spitzeneinkommen zu haben. Er plädierte für eine Steuerreform, die auf der einen Seite alle Einkommen bis 7100 Euro brutto im Monat besserstellt, allerdings ohne dass dem Staat Einnahmen verloren gehen. Deshalb sollen auf der anderen Seite noch besser Verdienende stärker belastet werden.

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hat sich inzwischen für eine ähnliche Steuerreform ausgesprochen, die zwar einen höheren Spitzentarif von 45 Prozent vorsieht, der aber erst ab einem Jahreseinkommen von rund 76.000 Euro greifen soll. Durch eine Senkung der Sätze für untere und mittlere Verdienste würden alle Einkommen unter 90.000 Euro weniger Steuern zahlen, sagte Walter-Borjans.

Der aktuell gültige Spitzensteuersatz von 42 Prozent gilt seit dem Jahr 2005, es ist der niedrigste in der Geschichte der Bundesrepublik. Von 1975 bis 1989 lag der Spitzensatz beispielsweise noch bei 56 Prozent.

 

rei/fdi
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