Deutschland AG Stammtisch im Kanzleramt

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2. Teil: "Solche Treffen sind keine Hilfe"


Das Kanzleramt wird so zum Stammlokal der neuen, informellen Deutschland AG. Verhandelt werden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der großen Unternehmen sowie die Erfolgsaussichten der großen Parteien - unter der Annahme, die eigene Interessenlagen und die der Republik seien dabei fast immer deckungsgleich.

Die Ergebnisse fallen entsprechend aus. Das Bankenrettungspaket trägt die deutlich lesbare Handschrift der Finanzkonzerne. Es enthält Kapitalhilfen und Bürgschaften, garniert mit einer weitgehenden Verschwiegenheitspflicht. Niemand macht einen Hehl daraus, dass die Politik sich in der größten Not die Expertise der Bankenwelt begierig zu eigen machte. Dafür sicherte sich die Regierung Mitbestimmungsmöglichkeiten in den betroffenen Instituten, bei denen völlig unklar ist, ob sie geeignet sind, die Banken zu stabilisieren.

Gehaltsgrenzen für Top-Manager und eine marktgerechte Verzinsung der Hilfsgelder sind öffentlichkeitswirksame Pillen, die die Unternehmen angesichts des drohenden Kollapses gerne schluckten. Die Aussicht, eines Tages in ähnlicher Form weitermachen zu können wie bisher und notfalls erneut einen Rettungspaket auszuhandeln, wiegt deutlich schwerer.

Als Erster nutzte Deutsche-Bank-Chef und Mitkonstrukteur Josef Ackermann den Rettungsschirm für sich - indem er in deftigen Worten verkündete, nicht darauf zurückgreifen zu wollen. Über die wütenden Reaktionen von Finanzminister Peer Steinbrück und Kollegen dürfte er zumindest ein wenig geschmunzelt haben. Ackermann hatte nach eigener Einschätzung schlicht das Beste aus der Runde im Kanzleramt für sich herausgeholt. Fortan galt die Deutsche Bank als relativ gesund.

In diesem Sinn verfahren die anderen Gäste am ovalen Tisch ebenfalls. Für leichten Ärger unter den Unternehmenslenkern sorgte der Vorschlag für eine Art Jobgarantie in den von der Krise völlig unterschiedlich tangierten Dax-Firmen auch, weil er ausgerechnet von Siemens-Chef Peter Löscher mit ins Gespräch gebracht wurde.

"So ein öffentlichkeitswirksamer Vorstoß fällt nicht schwer, wenn man sein Stellenstreichungsprogramm bereits durchgezogen hat", heißt es bei einem anderen Dax-Unternehmen mit Blick auf die Sparmaßnahmen beim Münchener Technologiekonzern Chart zeigen, in dessen Rahmen 16.000 Stellen wegfallen. Dabei könnten die anderen Großunternehmen Löscher durchaus auch ein bisschen dankbar sein - immerhin führte das gemeinsame Bekenntnis dazu, dass die Bundesregierung ihre Zahlungen für Kurzarbeit im Gegenzug deutlich aufstockte.

Auch die Konjunkturpakete lesen sich in Teilen wie eine Synopse der Wunschlisten der großen Unternehmen und Parteien. Infrastrukturinvestitionen für die Bauwirtschaft, Abwrackprämie und Kfz-Steuerreform für die Autoindustrie, Geldzahlungen für die Konsumbranche. Roter Faden ist es, zu retten, was zu retten ist, und zwar vor allem bei den betroffenen Konzernen und in den traditionsreichen Branchen. Neue Akteure, die in der Krise ihre Chance wittern, haben das Nachsehen, weil es das Bestehende zu erhalten gilt.

Und so sehen manche Unternehmen die von der Politik durchaus gewünschte Nähe skeptisch. "Mittel- und langfristig sind solche Treffen keine Hilfe", heißt es bei einem Dax-Konzern, der in der Jobrunde beim Arbeitsminister nicht vertreten war. Für das Geschäft seien andere Meetings wichtiger. Aber es sei nicht ganz einfach, sich zu entziehen.



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