Deutschland AG Stammtisch im Kanzleramt

Dax-Konzerne und Kanzleramt entdecken in der Krise viele Gemeinsamkeiten. Doch bei der Problemlösung ist die Nähe zwischen Firmengranden und Politiker nicht immer hilfreich.

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Bereits nach knapp vier Wochen droht der feierliche Schwur von Berlin in Vergessenheit zu geraten. "Ja, wir wollen Kündigungen verhindern", hatten 25 Dax-Vorstände nach einem Treffen mit Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) Anfang Januar gelobt.

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Doch mit ThyssenKrupp Chart zeigen und SAP Chart zeigen haben bereits zwei Dax-Konzerne Stellenstreichungen angekündigt. Auch Infineon Chart zeigen schließt Anpassungen beim Personal nicht aus. "Wir versuchen definitiv, das zu vermeiden. Aber derzeit ist es halt sehr schwierig", sagte Konzernchef Peter Bauer bei der Vorlage der Quartalszahlen am Freitag.

Ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt, ist noch nicht sicher. Trotzdem zeichnet sich ab, dass die als "Absichtserklärung" deklarierte Selbstverpflichtung (bei der ThyssenKrupp und SAP dabei waren) schon bald nicht mehr viel wert sein dürfte. Spätestens die Arbeitsmarktzahlen für Januar weckten Ahnungen, dass es noch weit schlimmer kommen dürfte.

"Wir sind nun mal nicht in einer Planwirtschaft, in der Betriebe ihren Personalbedarf für die nächsten fünf Jahre festlegen", sagt ein Restrukturierungsexperte, der sich über ausbleibende Aufträge derzeit nicht beschweren kann. "Es ist aber gefährlich, wenn man solche Versprechen schnell wieder bricht." Der krampfhafte Versuch, die Bürger in Krisenzeiten zu beruhigen, könnte sich in sein Gegenteil verkehren.

Das Vertrauen in die illustren Berliner Runden, besetzt mit Vertretern aus Regierung und Großkonzernen, schwindet angesichts derartiger Luftnummern dahin. Das hat insofern sein Gutes, als es den Blick dafür schärft, was solche Treffen tatsächlich ausrichten können - und welche Schäden möglicherweise durch sie sogar entstehen. Die Dax-Konzerne gelten dabei gerade in Krisenzeiten vielfach als "die deutsche Wirtschaft", doch beschäftigen sie lediglich etwa sechs Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland.

"Wir retten die Wirtschaft, mit Hilfspaketen, Konjunkturprogrammen und guten Absichten" - das ist das Signal, das von den Gesprächskreisen ausgehen soll. Tatsächlich aber gehen die Beschlüsse, die in allen Details zum Teil gar nicht bekannt werden, oft an den langfristigen Bedürfnissen von Wirtschaft und Gesellschaft vorbei. Die Kungelrunden aus Politik und Dax-Konzernen orientieren sich zu oft an anderen Kriterien, die mehr mit den kurzfristigen Bedürfnissen der Beteiligten zu tun haben.

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Schon Gerhard Schröder (SPD), seines Zeichens Kanzler der Bosse, und andere Amtsvorgänger von Angela Merkel (CDU) setzten auf den Schulterschluss mit den Großen der Wirtschaft, wenn es darum ging, Großes zu bewegen.

Autogipfel, Jobgipfel, Gesundheitsgipfel - oft genug saßen die Chefs der großen Unternehmen im Kanzleramt, um ihre Sicht der Dinge im Zentrum der politischen Macht darzulegen.

Auch der Bundeskanzlerin erscheint es inzwischen komfortabler, die Nummern der Dax-Konzernchefs zu wählen und um Rat und Unterstützung zu bitten, als die notwendigen Schritte unabhängig vom Gemütszustand der Wirtschaftslenker zu erörtern. Bankenkrise, Konjunkturpaket, Arbeitsmarkt - immer sind da diese Themen, bei denen die Chefs der Konzerne ja viel dichter am Geschehen sind.



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