Boykottaufrufe Erdogan-Fans hetzen gegen Unternehmer in Deutschland

Angebliche Sympathisanten des Predigers Gülen werden auch in Deutschland bedrängt. Laut "Zeit" rufen Erdogan-Unterstützer zum Boykott ihrer Geschäfte auf. Offenbar gab es auch Morddrohungen.


Anhänger des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan machen laut einem Zeitungsbericht Stimmung gegen Unternehmer in Deutschland, die der Gülen-Bewegung nahestehen sollen. Listen solcher Firmen und Selbstständiger, verbunden mit Boykottaufrufen, würden über Facebook und WhatsApp geteilt, berichtet die "Zeit". Betroffen seien unter anderem Friseure, Bauunternehmer, Restaurantbesitzer, Gemüsehändler und Ärzte.

Die türkische Regierung macht den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Militärputsch verantwortlich. Seit dem Umsturzversuch gehen die Behörden in der Türkei gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger vor. Zehntausende Menschen wurden entlassen oder festgenommen.

Die von Gülen gegründete Hizmet-Bewegung ist auch in Deutschland aktiv. "Wir sind zur Zielscheibe geworden", zitiert die "Zeit" einen Druckereibesitzer aus dem Rheinland, der sich als Gülen-Anhänger bezeichnet. Mehrere türkischstämmige Unternehmer aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hätten berichtet, sie würden auf offener Straße angeschrien oder beleidigt, etwa "als Gülen-treue Vaterlandsverräter und Terroristen", schreibt die Zeitung.

In dem Bericht ist auch von Morddrohungen und Schmierereien an Geschäften die Rede. Ein Lebensmittelhändler aus Gelsenkirchen sagte demnach der Zeitung, er fühle sich an die Nazizeit mit ihren Boykottaufrufen gegen jüdische Unternehmen erinnert.

Fethullah Gülen
AFP

Fethullah Gülen

asa/AFP



insgesamt 48 Beiträge
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willi_ac 10.08.2016
1. Man kann dem Lebensmittelhändler nur zustimmen ...
... rund um den "Putsch" zeigen sich immer mehr Elemente, die man mit Deutschlands dunkelster Zeit in Verbindung bringt. Den Türken hier und überall ist zu wünschen, dass sie wachsam sind und sich nicht verblenden lassen, um nicht in eine noch schlimmere Katastrophe zu rutschen, die man vorher ja so nicht gewollt hat.
jkbremen 10.08.2016
2. Der Fluch der doppelten Staatsbürgerschaft
Das ist der Fluch der doppelten Staatsbürgerschaft. Gehörte den hier lebenden Türkischstämmigen nur die Solidarität zu Deutschland, einfach weil sie nur den deutschen Pass besäßen, würde sich mancher überlegen sich hierzulande als aus der Türkei gesteuert zu zeigen. In jedem Fall gehört solchen Umtrieben ebenso ein Riegel vorgeschoben wie Drangsalierungen von Linken durch deutsche Neonazi's.
phrasenmaeher 10.08.2016
3. Kein Tag...
... ohne Meldung über den wirren Sonnenkönig aus dem Morgenland. Und in der Regel kann man such sicher sein, dass jede Meldung neue Tiefpunkte auslotet. Mal ganz abgesehen davon, dass die Nummer mit der Gülen-Bewegung und deren Vorverurteilung wieder eine von Erdowahns Gnaden ist: Sollte es nicht vielleicht sogar beruhigen, dass es nicht nur Deutsche mit einem ausgeprägten Hang zum Herdentrieb gibt? Und dass die hier ansässigen Türken ebenso auf unreflektiert und doof machen können? Ich hoffe nur, dass der lange Arm des Gesetzes für diese denkbefreiten Halbmond-Schwenker ebenfalls lang genug ist und all die Pöbler und Hetzer die verdiente Auszeit erhalten.
herm16 10.08.2016
4. jetzt
müssen wir höllisch aufpassen dass wir nicht von Erdogan vereinnahmt werden. Unsere Laschen Politiker müssen klar zum Ausdruck bringen, dass wir dies nicht zulassen
eswirdbesser 10.08.2016
5. Ach das kennen wir doch
Diese Methoden sind erforscht und bekannt in Deutschland. Insoweit ist das hier auch der passende Ort. Ja, ja, kauft nicht bei Gülen-Anhängern. Was soll man von Menschen die an einen "starken Mann" und an ein geschlossenes Volk eines Blutes glauben schon erwarten? Mir war immer klar das die Linken und Intelektuellen unter den Türken nicht die Meinungshoheit haben.
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