Statistisches Bundesamt Öffentliche Schulden erreichen zu Jahresende 2021 Höchststand

Das Virus hinterlässt deutliche Langzeitfolgen in den Kassen: Die Coronapandemie treibt die Schuldenstände bei Bund und Ländern auf Rekordniveau.
Geschlossenes Geschäft im Shutdown: Der Staat musste kostspielige Wirtschaftshilfen finanzieren

Geschlossenes Geschäft im Shutdown: Der Staat musste kostspielige Wirtschaftshilfen finanzieren

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Die Schulden im öffentlichen Gesamthaushalt in Deutschland haben zum Ende des Jahres 2021 einen neuen Höchststand erreicht. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden, Gemeindeverbänden und Sozialversicherung inklusive aller Extrahaushalte beim nicht öffentlichen Bereich mit 2319,8 Milliarden Euro verschuldet. Das entsprach einer Verschuldung pro Kopf von 27.906 Euro.

Zum nicht öffentlichen Bereich gehören Kreditinstitute sowie der sonstige inländische und ausländische Bereich, zum Beispiel private Unternehmen im In- und Ausland. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die öffentliche Verschuldung um 6,8 Prozent oder 146,9 Milliarden Euro. Zurückzuführen sei das insbesondere beim Bund, aber auch in einigen Ländern auf die Maßnahmen zur Bewältigung der Coronapandemie.

Beim Bund stiegen die Schulden des öffentlichen Gesamthaushalts am Jahresende 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 10,3 Prozent beziehungsweise 145,0 Milliarden Euro. Auch die Länder waren Ende 2021 um 2,1 Milliarden Euro mehr verschuldet als im Vorjahr. Die Verschuldung der Gemeinden und Gemeindeverbände ging dafür leicht zurück.

Deutschland käme mit Gasembargo »durchaus zurecht«

Dennoch vertritt die Ökonomin Veronika Grimm die Auffassung, dass die Verschuldung weiteres staatliches Eingreifen zulasse. So würde Deutschland mit den Folgen eines Gasembargos gegen Russland durchaus zurechtkommen, sagte Grimm, die Mitglied im Sachverständigenrat zur Konjunktur ist. »Natürlich wäre ein Embargo für Deutschland mit massiven Einschnitten verbunden«, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). »Es würde eine Rezession auslösen«, der Staat müsste unmittelbare Härten für Unternehmen und Bürger abfedern.

Jedoch teile sie die Einschätzung, »dass wir damit zurechtkämen, wenn Putin sprichwörtlich den Hahn zudreht«, sagte die Wirtschaftsweise. Deutschland sei mit 60 Prozent Staatsschuldenquote in die Pandemie gegangen, jetzt seien es etwa 70 Prozent. »Da ist noch Spielraum. Den sollte man nutzen, wenn man glaubt, den Konflikt durch eine Einstellung der Zahlungen an Russland einhegen zu können.« Es sei »strategisch nicht klug, wie bisher einfach zu zahlen«.

mamk/AFP/dpa
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