Die 100 reichsten Deutschen Familie Schlecker

Mit Discountpreisen für Pulver und Pasten, Puder und Parfüms brachte es die Familie des schwäbischen Metzgers Anton Schlecker auf 1,5 Milliarden Mark - Chefs der eher rüden Art.


Hamburg - Ihr Ruf als Arbeitgeber ist nicht der beste. Großzügigkeit, besondere Fürsorglichkeit gar, sind vermutlich das Letzte, was Gewerkschafter und viele der Mitarbeiter den Schleckers nachsagen würden. Als Herrscher über ein mittlerweile europäisches Drogerie-Imperium sind Christa und Anton Schlecker eher übel beleumdet.

Vor rund drei Jahren bekamen sie es schwarz auf weiß und im Namen des Volkes: Das Stuttgarter Landgericht erließ Strafbefehl gegen Herrn und Frau Schlecker - je zehn Monate auf Bewährung und zwei Millionen Mark Geldstrafe. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass das Unternehmer-Ehepaar viele seiner Beschäftigten schlichtweg betrogen hatte. Bis 1995 gaukelten die beiden Hunderten Verkäuferinnen die Zahlung von Tariflohn vor, speisten sie tatsächlich aber mit weniger ab.

Niedrigpreise, die Schlecker so gern für sich reklamiert, fallen eben nicht vom Himmel. Sie wollen knallhart kalkuliert sein. Zum Beispiel, indem mancher Laden kostensparend lange von nur einer Angestellten geschmissen werden musste. Oder in Filialen keine Telefone installiert wurden, die ohnehin nur für Privatgespräche missbraucht würden, wie Schlecker argwöhnte.

Durch beharrliche Knausrigkeit hat sich der heute 56-jährige Sportwagen-Liebhaber in schwindelerregendem Tempo bis an die Spitze des deutschen Einzelhandels emporgearbeitet. 1965 stieg der damals mit 21 Jahren "jüngste Metzgermeister der Republik" in das schwäbische Fleischwaren-Unternehmen des Vaters ein. Noch im selben Jahr gründete er am Stadtrand von Ehingen sein erstes eigenes SB-Warenhaus.

Den entscheidenden unternehmerischen Schritt - weg von Aufschnitt und Schnitzel - wagte Schlecker 1975, nachdem die Preisbindung für Drogerieartikel gefallen war. In einem neuartigen Discount-Markt bot er fortan Pulver und Pasten, Puder und Parfüms an. Zwei Jahre später betrieb er schon über hundert solcher Läden.

Heute nimmt Schlecker für sich in Anspruch, die Nummer eins in der Drogeriemarkt-Branche zu sein und zu den 25 größten Handelsunternehmen Europas zu gehören. Die inzwischen rund 35.000 Mitarbeiter des über 9000 Filialen zählenden Unternehmens erwirtschafteten 1999 neun Milliarden Mark Umsatz für Schlecker.

Schleckers anscheinend unstillbarer Drang zu expandieren, hat selbst für seine Verkäuferinnen einen Vorteil: Die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass die Eheleute Schlecker mal wieder überraschend im Laden auftauchen und staubige oder gar unaufgefüllte Regale mokieren könnten.

Christian Keun



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.