Die 100 reichsten Deutschen Hans Imhoff

Aus dem Nichts hat Hans Imhoff ein Schokoladen-Imperium geschaffen und ist zu einem der reichsten Männer Deutschlands geworden. Er gilt als letzter "rheinischer Kapitalist", der "Willi Millowitsch der Wirtschaft".


Genießer der eigenen Produkte: Hans Imhoff
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Genießer der eigenen Produkte: Hans Imhoff

Viel zu sagen haben die Aktionäre der Stollwerck AG nicht. Dafür haben sie bei den Hauptversammlungen viel zu lachen. Die gelten als die lustigsten der Saison, wie das "Handelsblatt" schrieb. Umsatz, Gewinn, Verlust oder Shareholer Value - niemanden interessiert's, wenn der Chef Hans Imhoff in die Bütt steigt. Der 78-Jährige erzählt lieber Anekdoten und reißt Zoten.

Mit dem Duft von Schokolade aufgewachsen

Die Liebe zur Schokolade begann in seiner Kindheit. Damals durchzog die Kölner Fleischmengergasse, in der Hans Imhoff als Sohn eines Schlossermeisters in einfachen Verhältnissen aufwuchs, der süße Duft der nahe gelegenen Stollwerck-Fabriken. "Da habe ich mich satt geschnuppert", hat Imhoff einmal erzählt. Geld für Schokolade hatte er selten. In ihm wuchs der Wunsch, eines Tages selbst Schokolade zu produzieren.

Der Aufstieg zum Schokoladen-König begann unmittelbar nach dem Krieg. Durch Geschäfte auf dem Schwarzmarkt häufte er ein kleines Vermögen an. 1948 eröffnete er in der französischen Besatzungszone seine erste kleine Schokoladenfabrik. Er arbeitete sich in den folgenden Jahren stetig nach oben, wurde zu einer der Symbolfiguren des so genannten Wirtschaftswunders.

Das Unmögliche möglich gemacht

Seine Vision hieß aber immer Stollwerck. "Eines Tages gehört der Laden mir", schwor er sich. Sein Traum erfüllte sich, als er 50 Jahre alt war. Am 21. Dezember 1972 wurde er auf einer dramatischen Hauptversammlung des damals schwer angeschlagenen Stollwerck-Konzerns als Sanierer präsentiert.

Imhoff griff zu, reduzierte das Sortiment von 1200 auf rund 50 Produkte und schaffte neue Maschinen an. Auf teures Marketing verzichtete er. Deshalb warb Imhoff im Fernsehen selbst für seine Leidenschaft: "Die Alpia, die müssen Sie einfach probieren - köstlich."

Den Preis für eine Tafel Schokolade hielt er konstant niedrig, dennoch legte Stollwerck zu. Der Nobody Imhoff schaffte innerhalb von nur drei Jahren, was keiner für möglich hielt. Seit 1975 zahlt das Unternehmen wieder eine Dividende.

Bei Verlust greift der Chef in die eigene Schatulle

Beflügelt von dem Erfolg und einer scheinbar grenzenlosen Arbeitswut baute der Fabrikant, wie er sich altmodisch nennt, in den folgenden Jahren sein süßes Imperium aus: 1975 kaufte er Eszet und Alprose, 1976 Waldbaur, 1979 Sprengel, 1982 die Chocolaterie Jacques in Belgien, 1998 Sarotti und 1999 Gubor.

Imhoff musste aber auch Niederlagen einstecken. 1998 erlebte er im Russland-Geschäft einen Einbruch. Rund 60 Millionen Mark soll er verloren haben. Imhoff glich mit ein "paar Milliönchen" den Verlust wieder aus - nicht die Aktionäre. Monatelang hatte er den russischen Arbeitern ihren Lohn weiter gezahlt, obwohl nichts in der bei Moskau errichteten Fabrik produziert wurde. Heute sei seine Firma der "König von Russland", verkündete er stolz auf einer Hauptversammlung.

"Genug gequatscht. Jetzt gibt es Kölsch"

Mit seinen 78 Jahren hält er noch alle Zügel fest in der Hand. Nach eigenem Bekunden steckt er noch voller Tatendrang. Dennoch hat der Mann, der es ohne Studium auf drei Doktortitel ehrenhalber gebracht hat, seine Nachfolge schon geregelt. Eine Familienstiftung soll das Vermögen zusammenhalten und verhindern, "dass nach meinem Tod einer Kasse macht".

Seine wenigen Aktionäre - lediglich fünf Prozent der Aktien sind in Streubesitz - wünschen ihm weiter ein langes Leben. Allein schon wegen der Hauptversammlungen und den bei der Gelegenheit verteilten großen Schokoladenpaketen.

Im vergangenen Jahr lobte ihn einer der Kleinanleger: "Wir wissen, dass wir hier nichts zu sagen haben, aber wir wünschen Ihnen, dass Sie uns noch lange erhalten bleiben." Der Geschmeichelte nickte wohlwollend in den Saal, blickte durch seine dicken Brillengläser auf seine Fangemeinde hinunter und breitete wie ein Herrscher die Arme aus. Dann sagte er: "Genug gequatscht. Jetzt gibt es Schlachtplatte und lecker Kölsch."

Claas Hennig



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