Zur Ausgabe
Artikel 38 / 83
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Die Auto-Lobby dreht auf

*
aus DER SPIEGEL 13/1984

Erstaunlich gelassen hatten die deutschen Automobilhersteller im Juli vorigen Jahres reagiert, als Innenminister Friedrich Zimmermann (CSU) kundtat, von 1986 an müßten alle neuen Autos mit Abgas-Katalysatoren ausgerüstet werden. Doch dann merkten die Automobilmanager, welch gewaltigen Aufwand sie für die Umrüstung ihrer Fahrzeuge treiben müßten. Rücksicht auf einen christsozialen Minister, die anfangs noch die Töne der Auto-Manager gemäßigt hatte, war auf einmal nicht mehr geboten; die Auto-Lobby trompetete von Monat zu Monat lauter. Vorige Woche erreichte der Propaganda-Feldzug einen vorläufigen Höhepunkt. Mitten im schönsten Auto-Boom beklagte Achim Diekmann, Geschäftsführer beim Verband der Automobil-Industrie, schon mal den Niedergang seiner Branche. Gegenüber dem Vorjahr seien die Bestellungen im Januar und Februar rückläufig. Schuld, so Diekmann, sei das Gerede über den Katalysator. Tatsächlich betrug das Bestell-Minus im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat 2,2 Prozent. Doch der Vergleich ist windig, denn im Februar 1983 waren die Aufträge gegenüber 1982 um ein Drittel hochgeschnellt. Woher Diekmann seine Kenntnisse über die Motive der Auto-Kunden bezogen hat, verriet er nicht. Bisher war auch stets das gegenteilige Argument zu vernehmen: Um den Zusatzkosten für den Katalysator auszuweichen, hieß es, würden die Autofahrer ihre Bestellung vorziehen. 1986 stünde die Industrie dann vor einem tiefen Auftragsloch.

Zur Ausgabe
Artikel 38 / 83
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel