Erfahrungen mit Corona-Soforthilfe Die Erleichterung verflog schnell

Achim Trumpfheller, 43, Grafiker aus Schaumburg, war zunächst erleichtert, als Berlin die Soforthilfen ankündigte - jetzt fühlt er sich verschaukelt.
Foto: Privat

Ich arbeite seit 2004 als selbstständiger Grafiker und habe mich auf die technische Umsetzung von Konzepten spezialisiert. Ich steige also da ein, wo es darum geht, das Award-verdächtige Design in einen dicken Katalog umzusetzen. Mit dem Corona-Lockdown Mitte März stand ich praktisch von heute auf morgen ohne Arbeit da. Es war zwar schon immer so, dass Frühjahr und Sommer bei mir eher gemütlich laufen. Aber dass meine gesamte Stammkundschaft auf Tauchstation geht, hatte ich bis dato nicht erlebt. Ein Kunde, der für Museen Ausstellungen entwirft und umsetzt, hatte verständlicherweise selbst erst einmal nicht viel zu tun - und somit ich auch nichts. Ein internationaler Kunde aus dem medizinischen Bereich stellte alle Projekte, an denen ich potenziell hätte beteiligt werden können, auf unbestimmte Zeit zurück. Auch andere Kunden, mit denen ich sprach, waren natürlich erst einmal damit beschäftigt, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen.

Beruhigend war in dieser Situation die Versicherung von Wirtschaftsminister Altmaier, dass niemand wegen der Coronakrise auf der Strecke bleiben sollte - und das Versprechen, akute Notlagen mit Soforthilfen zu überbrücken.

Doch die erste Erleichterung verflog schnell, nachdem fast täglich neue Details zu Bedingungen und Einschränkungen bekannt wurden. Als Soforthilfe bekam ich die beantragten 1100 Euro zwar rasch ausbezahlt. Da sich die Richtlinien mehrfach änderten, erfuhr ich erst später, dass ich zum Beispiel nicht nur die Zinsen, sondern auch die Tilgung eines Geschäftskredits hätte ansetzen dürfen - der bei Weitem größte Einzelposten meiner betrieblichen Ausgaben. Der entsprechende Folgeantrag liegt noch bei der für die Soforthilfen zuständigen NBank.

Unabhängig davon bleibt es ein großes Problem, dass lediglich Betriebskosten für drei Monate erstattet werden. Bei einem Soloselbstständigen wie mir machen diese Kosten nur einen sehr kleinen Teil aus, denn ich benötige für meine Dienstleistung im Grunde lediglich einen Computer, einen großen Monitor und einige Grafikprogramme. Anders als bei einem Festangestellten, der etwa in Kurzarbeit – mit Aufstockung durch den Staat - 80 oder sogar 100 Prozent seines Gehalts bekommt, bliebe mir nur die Möglichkeit, Geld für den täglichen Lebensunterhalt auf ALG-II-Basis beantragen. Doch dafür verdient meine Frau zu viel.

Auch ein Anspruch auf Verdienstausfallsentschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz kam in meinem Fall nicht infrage. Der gilt, wenn Kita und/oder Schule aufgrund staatlicher Verordnung geschlossen worden sind. Aber nur, wenn sich das Büro nicht, wie in meinem Fall, zu Hause befindet und somit die Möglichkeit von Homeoffice besteht.

Die Coronakrise wird mir trotzdem zumindest kurzfristig nicht das Genick brechen. Falls jedoch eines meiner Großprojekte, das für den kommenden Herbst ansteht, zurechtgestutzt wird oder gar ausfällt, sieht es düster aus. Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich in etwa nachvollziehen, wie es sich wohl anfühlen muss, von seinem Land im Stich gelassen zu werden.

Aufgezeichnet von Michael Kröger