AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 24/2017

Die Geldfrage Sind Negativzinsen legal?

Dutzende Banken und Volksbanken verlangen mittlerweile Minuszinsen von ihren Kunden, wenn diese größere Beträge auf ihrem Tagesgeld- oder Sparkonto parken. Das ist ärgerlich, aber ist es auch unrechtmäßig?

Kunden vor einem Geldautomaten in Berlin (Archivbild)
DPA

Kunden vor einem Geldautomaten in Berlin (Archivbild)


Also doch unter die Matratze? Mancher Bankkunde dürfte sich diese Frage stellen, wenn er überlegt, wohin mit seinem Ersparten. Denn was lange unmöglich schien, ist Realität geworden: Über ein Dutzend Banken und Volksbanken verlangen mittlerweile Negativzinsen von ihren Kunden, wenn diese größere Beträge auf ihrem Tagesgeld- oder Sparkonto parken.

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Heft 24/2017
Wie Paare friedlich auseinandergehen

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Die Volksbank Reutlingen kann laut Preisaushang sogar schon für Tagesgeldguthaben ab 10.000 Euro und auch für Einlagen auf dem Girokonto Minuszinsen beziehungsweise ein "Verwahrentgelt" verlangen.

Wer sein Geld zu Hause hortet, kommt also womöglich besser weg. Entsprechend laut ist die öffentliche Empörung, zumal in regelmäßigen Abständen neue, oft seltsam wirkende Gebühren bekannt werden, die Banken plötzlich von ihren Kunden verlangen: für Überweisungen, das Geldabheben am Automaten oder für Ein- und Auszahlungen an den Bankschaltern.

Aber dürfen sie das eigentlich?

Nicht unbedingt. Die Negativzinsen etwa sind rechtlich umstritten, weil sie nach Auffassung von Kritikern nicht vom Vertragsverhältnis gedeckt sind. Auch viele Gebühren, die Banken verlangen, sind nach Ansicht von Verbraucherschützern gesetzeswidrig. Das Problem ist nur: Kaum ein Kunde wird vor Gericht klagen, weil es um zu kleine Summen geht und er ja problemlos die Bank wechseln kann.

Die Bereitschaft, vor Gericht zu ziehen, dürfte jedoch steigen, wenn immer mehr Geldhäuser beispielsweise Entgelte für Bankguthaben erheben. Außerdem leiten Verbraucherzentralen oft rechtliche Schritte gegen Banken ein, wenn sie ein übergeordnetes Interesse sehen.

Diesen Dienstag etwa entscheidet der Bundesgerichtshof in einem Fall über die Zulässigkeit von Gebühren für das SMS-Tan-Verfahren beim Onlinebanking. Aus Verbrauchersicht ist nur zu hoffen, dass solche Klagen in Zukunft häufiger eingereicht werden.

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ase



insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
realist114 12.06.2017
1.
Wenn Spareinlagen keine Gewinne mehr generieren können, muss die Bank Gebühren nehmen, um keine Verluste zu fahren. Darf sie das nicht durch negative Zinsen tun, wird sie das durch Kontoführungs- und Transaktionsgebühren machen müssen. Dass das dann besser für die Verbraucher ist, wenn der Arzt für seine 50.0000 Euro exakt soviel bezahlt wie der Renter für seine 1000 Euro, sehe ich nicht. Immerhin ist es transparenter, wenn die Dienstleistung direkt kostet.
Pless1 12.06.2017
2. Es kommt auf die Vertragsmodalitäten an
Man sollte meinen, dass die Banken ihre AGB entsprechend aktualisiert haben, sodass die Berechnung legal sein sollte. Grundsätzlich ist es natürlich so, dass Dienstleistungen wie das Aufbewahren von Geld mit entsprechenden Haftungszusagen natürlich Leistungen sind, die ihren Preis haben dürfen. In einem normalen Marktumfeld kann die Bank das im Rahmen einer Mischkalkulation gratis anbieten, denn diese Leistung wird für die Bank durch dem Margenschnitt abgedeckt. Den gibt es aber in einer Null-Zins-Zeit nicht. Wenn die Bank durch Zinsen nichts verdienen kann, kann sie auch den Rest nicht mehr gratis anbieten.
kuac 12.06.2017
3.
Wenn man Geld auf einem Konto "parkt", das nimmt doch keinen Parkplatz weg! Niemand muss irgendwelche Geldscheine regelmäßig zählen oder kontrollieren. Wieso Negativzinsen? Das ist Abzocke.
jschm 12.06.2017
4. Kontoüberziehung
logischerweise müsste ein negativer Saldo auf dem Girokonto bei negativem Zinssatz zu einer Gutschrift führen. Dann wäre es akzeptabel. Das grundlegende Problem ist aber der andauernde Negativzins der EZB für Einlagen der Banken, der das Geschäft kaputt macht.
mark e. ting 12.06.2017
5. schöne Bankenwelt
da gibt man jemanden sein Geld und musste "nur" dafür bezahlen wenn man es wieder haben wollte. jetzt muss man auch schon dafür bezahlen wenn man es ihm gibt und nochmal wenn man es wider haben will. Geiles Geschäft.
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