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Die Kandidatur

aus DER SPIEGEL 24/1994

für den Vorsitz des Deutschen Gewerkschaftsbundes soll Dieter Schulte zurückziehen. Das forderten mehrere tausend Stahlarbeiter der Dortmunder Krupp Hoesch Stahl AG bei einer Protestversammlung am vergangenen Freitag. Die Belegschaft fühlt sich von dem Stahl-Vorstand der IG Metall bei den Vereinbarungen um die umstrittene Fusion von Krupp und Hoesch hintergangen. Vor zwei Jahren gaben die Stahlarbeiter ihren Widerstand gegen den Zusammenschluß unter anderem deshalb auf, weil die Konzernspitzen ihnen zusagten, daß die Arbeitnehmerseite auch im Vorstand der neuen Gesellschaft einen Arbeitsdirektor stellen werde. Dennoch will der Aufsichtsrat am 19. Juni den Posten des scheidenden Arbeitsdirektors Alfred Heese nicht mehr besetzen. Die Konzernoberen berufen sich auf ein Papier, das auch Schulte und der IG-Metall-Vorstand Siegfried Bleicher, damals stellvertretender Hoesch-Aufsichtsratschef, im Februar 1992 unterschrieben haben - ohne Wissen der Betriebsräte: Falls es über den Posten des Arbeitsdirektors keine Verständigung gebe, so steht darin, dann gelte das Gesetz. Dadurch verschlechtert sich die Position der Arbeitnehmervertreter. Denn wenn der Vorstand der Krupp Hoesch AG den Konzern, wie geplant, in fünf eigenständige Gesellschaften zerteilt, dann, so befürchten die Betriebsräte, gehen die Mitbestimmungsrechte für die Montanindustrie verloren. Die Dortmunder Stahlkocher sind konsterniert: »Wer mit Geheimpapieren zum Schaden von Belegschaften agiert«, schreiben die wütenden Arbeiter in einer Entschließung, »darf nicht Vorsitzender des DGB werden.«

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