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15. Juni 2001, 20:10 Uhr

Die reichsten Deutschen

Atze Brauner - der Herr des Ku'damms

Mit Filmen wurde Artur Brauner berühmt. Nebenher bewies er ein glückliches Händchen bei Immobilien. Heute gehören ihm fast der halbe Kurfürstendamm in Berlin und ein Vermögen von 1,5 Milliarden Mark.

Hamburg - "Man darf nicht anfangen aufzuhören. Und man darf nicht aufhören, immer wieder neu anzufangen." Artur Brauner ist Produzent und jeder Film ein neuer Anfang - Premieren sind also sein Metier.

Artur "Atze" Brauner, Filmproduzent und Immobilienmogul
dpa

Artur "Atze" Brauner, Filmproduzent und Immobilienmogul

Rund 250 Projekte hat "Atze" - so nennt ihn die Branche - realisiert, seit er vor gut einem halben Jahrhundert in Berlin seine Central Cinema Company gründete. Trallala-Filmchen waren darunter, ebenso seichte Unterhaltung fürs Fernsehen - und immer wieder ambitionierte Leinwand-Epen über jüdische Schicksale in Zeiten der Nazi-Barbarei.

Der Verfolgung zum Trotz - Neuanfang in Berlin

Der 1918 im polnischen Lodz als Abraham Brauner geborene Mann ist Hitlers Massenmördern selbst nur mit knapper Not entkommen. Auf abenteuerliche Weise überlebte er die deutsche Verfolgung im Schutz der Wälder Polens und Russlands. 49 seiner Verwandten fanden in den Lagern der Nazis den Tod.

Dennoch sucht sich Brauner nach dem Krieg eine neue Heimat nicht in den USA oder Palästina, sondern in der völlig zerstörten Hauptstadt des "Tausendjährigen Reiches". In Berlin "konnte es doch nur noch bergauf gehen", hat er einmal erklärt.

1946 steht Brauner mit einem Koffer voller Geld zwischen Ruinen und träumt davon, Filme zu machen. Sein Startkapital: 21.000 Reichsmark, die er für den Nerzmantel der künftigen Schwiegermutter bekommen hatte. Leidenschaft treibt den Mann an, der "als Junge sieben Mal die Woche ins Kino gegangen" ist. Er schäumt über von Ideen, die verwirklicht werden wollen. An seiner Seite die Frau, die er 1947 heiraten wird und der er bis heute treu geblieben ist: Therese ("Maria") Albert.

Im Spagat zwischen Kunst und Kommerz

Schnell ist Brauner auch geschäftlich das Glück hold. Das von ihm mitproduzierte musikalische Lustspiel "Herzkönig" wird kommerziell ein voller Erfolg. Der junge Film-Unternehmer hat jetzt die Mittel, Werke, die ihm selbst am Herzen liegen, umzusetzen.

Doch seine erste Eigenproduktion floppt an den Kinokassen. Unter dem Titel "Morituri" konfrontiert er das Publikum mit einer autobiografisch gefärbten Geschichte über die Flucht von KZ-Häftlingen und ihr Überleben nahe der polnisch-russischen Grenze. Die Deutschen wollen 1948 aber nicht erinnert, sie wollen abgelenkt werden. Also zeigt Brauner ihnen die Filme, die sie wollen: "Maharadscha wider Willen", "Das Mädel aus der Konfektion" oder "Der keusche Lebemann". Harmlos unterhält er seine neuen Landsleute. Der Rubel rollt.

Dieser Geschäftsstrategie ist Brauner bis auf den Tag treu geblieben. Mit eher leichter Filmkost verdient er das Geld, das er für politisches, sozialkritisches und künstlerisch anspruchsvolles Kino nach seiner Fasson braucht. Der Name Brauner steht heute für Werke wie "Eine Liebe in Deutschland". Der Film wird 1984 von der "New York Times" unter die zehn besten des Jahres gewählt. Oder für "Hitlerjunge Salomon". Sein vielleicht wichtigster Film gewinnt zu Beginn der neunziger Jahre den Golden Globe und ist ein Beitrag mehr wider das Vergessen der Hitler-Diktatur.

Kühler Rechner und charmanter Lebemann

Im Rampenlicht seiner Kinoproduktionen ist Artur Brauner berühmt und reich geworden. Doch steckt er sein Geld schon lange nicht mehr nur in Filme. Fernab von öffentlicher Aufmerksamkeit gehören Immobilien-Investments bei ihm seit Jahrzehnten zum Geschäft. So hat Brauner vorzugsweise in Berlin nach und nach Häuser und Grundstücke gekauft, die inzwischen einen Großteil seines Milliardenvermögens ausmachen.

Artur Brauner, kühl kalkulierender Geschäftsmann, politischer Mensch, der Neo-Nazis schon mal in Offenen Briefen unmissverständlich die Meinung sagt, ist auch und nicht zuletzt ein Lebemann. Einer, der die schönen Seiten des Lebens zu genießen versteht. Wen wundert's, hatte er doch das Glück, mit Frauen wie der Lollobrigida, mit Jane Mansfield oder Romy Schneider arbeiten zu dürfen.

Therese Brauner nimmt diese Seite ihres Mannes gelassen. Soll ihr Artur - immerhin schon 82 Jahre alt - doch ruhig mal wieder einer jungen Schönen ungeniert ins Dekolleté schauen. Nach über fünfzig Ehejahren befindet sie nur noch lapidar: "So ein Flirt ist gut für seinen Blutdruck."

Christian Keun, manager-magazin.de

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