Die reichsten Deutschen Bankier auf hoher See

Er gehört zur sechsten Bankiersgeneration seiner Familie. An eine berufliche Laufbahn außerhalb von Sal. Oppenheim zu denken, war bei ihm von jeher ausgeschlossen. Dabei wohnt noch eine zweite Seele in seiner Brust.


Alfred Freiherr von Oppenheim
Frank Darchinger

Alfred Freiherr von Oppenheim

Hamburg - Er ist Bankier vom Scheitel bis zur Sohle, doch in ihm schlägt das Herz eines Admirals. Alfred Freiherr von Oppenheim hat Kap Hoorn umschifft und das Kap der guten Hoffnung. Er liebt die Gezeiten und die unberechenbare Natur, das immer neue Ankommen in fremden Häfen. Die Frage in einem Marcel-Proust-Fragebogen, wo er am liebsten leben möchte, beantwortete er einst mit den Worten "auf einer Segeljacht". Seine trägt den Namen "Passepartout".

Und dennoch durfte "Passepartout" im Leben des Freiherrn von Oppenheim bisher nur eine untergeordnete Rolle spielen. Denn Alfred von Oppenheim ist eben doch zunächst einmal Bankier, sein Weg als solcher war von Kindesbeinen an vorgezeichnet, und so zog es ihn regelmäßig zurück von den Weltmeeren nach Köln, an den Rhein, zu Sal. Oppenheim jr. & Cie. und seiner Familie.

1789, im Jahr der französischen Revolution, gründete Salomon Oppenheim junior in Köln ein Kommissions- und Wechselhaus und legte damit den Grundstein für die bis heute unabhängige Privatbank. Die Verantwortung für das Geldhaus wurde innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergereicht. Jede Generation strebte danach, die Geschlossenheit von Firma und Familie zu bewahren, selbst in den schwierigen Zeiten des Nationalsozialismus, als die Besitzer der Bank wegen der jüdischen Herkunft der frühen Generationen schikaniert und verfolgt wurden. Sal. Oppenheim überdauerte mehrere Revolutionen, Herrschaftssysteme und Währungsumstellungen. Und auch das Familienvermögen gedieh prächtig. Auf stolze 4,6 Milliarden Mark wird der Freiherr heute taxiert, Platz 41 im Ranking von manager magazin.

Am 1. Januar 1964 trat Alfred von Oppenheim sein Erbe an: 29 Jahre repräsentierte er als persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter das feine Geldhaus (wer weniger als eine Million Mark anlegen will, der sollte lieber eine Bank weiter gehen). Er leitete bedeutende Umstrukturierungen ein, 1989 verkaufte er die Colonia-Versicherung und führte der Bank damit bedeutendes Kapital zu, er ließ das Unternehmen technisch modernisieren und entwickelte es zu einem spezialisierten Anbieter von Finanzdienstleistungen.

1993 wechselte Alfred von Oppenheim an die Spitze des Aufsichtsrats und des Aktionärsausschusses. Mit seinem Werk ist er rückblickend zufrieden. Er habe für den Zusammenhalt der Gesellschafter gesorgt und Intrigen und Eifersucht aus dem Unternehmen ferngehalten, "das ist mein größter Verdienst". Die Bank ist für die Zukunft also gut aufgestellt und mit Sohn Christopher von Oppenheim - seit Januar 2000 persönlich haftender Gesellschafter der Geschäftsführung - der Erhalt der Oppenheim-Dynastie vorerst gesichert.

Zeit für einen Neuanfang als Admiral bleibt Alfred von Oppenheim trotzdem nicht. Nach wie vor besetzt er zahlreiche Posten, ist Präsident der IHK Köln und seit Februar auch Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelstags. Zudem sitzt er in zahlreichen Aufsichtsräten.

Wenn der Freund guter Weine aber doch einmal an Bord seiner "Passepartout" ist und mit einem Glas Château Margaux in der Hand zu neuen Ufern aufbricht, dann kann er Sal. Oppenheim wenigstens mit gutem Gewissen und vollständig in Köln zurücklassen.

Katy Hillmann



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