Die reichsten Deutschen Der Jurist an der Haustür

MLP - manager magazin kürte die Firma, die hinter diesen drei Buchstaben steht, mehrfach zum Unternehmen des Jahres. Den Erfolg verdankt sie vor allem einem Mann: Manfred Lautenschläger.


Manfred Lautenschläger

Manfred Lautenschläger

Hamburg - Die Idee ist so einfach wie genial - man konzentriere sich beim Verkauf von Versicherungen einzig und allein auf Akademiker, Berufsanfänger, die alle Aussichten auf eine vielversprechende Karriere haben. Solche Kunden haben einen hohen Absicherungsbedarf, sie stehen für schnell steigendes Einkommen und steigende Versicherungssummen bei gleichzeitig geringer Stornorate. Gehören sie einmal zur Klientel, entwickeln sie sich rasch zum umsatzsteigernden Selbstgänger.

Soweit die Idee. Der Volljurist Manfred Lautenschläger und Eicke Marschollek machten sich Ende der sechziger Jahre daran, ihren Kommilitonen in Heidelberg bedarfsgerechte Versicherungen zu vermitteln. In ihnen lebte der Geist der 68er, sie konnten sich nicht vorstellen, angestellt in irgendwelchen Hierarchien zu arbeiten. Deshalb gründeten sie 1971 ihr Unternehmen Marschollek, Lautenschläger und Partner, kurz MLP. Sie knieten sich in ihr eigens abgestecktes Aufgabenfeld, ließen dabei den Spaßfaktor nicht aus den Augen und hatten schnell Erfolg.

Das Unternehmen wuchs. Mitarbeiter wurden akquiriert und deutschlandweit zahlreiche Geschäftsstellen aufgebaut, immer in der Nähe von Hochschulen. Der Weg zum Kunden sollte kurz sein. Das galt damals wie heute. MLP-Berater treten auf direktem Wege an ihre Klientel heran. Sie besuchen Universitäten, veranstalten Seminare und helfen Hochschulabsolventen beim Berufseinstieg mit Bewerbertraining und Stellensuchdienst.

Der Geschäftsplan von Manfred Lautenschläger und Eicke Marschollek ging auf. Zu zweit gründeten sie ein Unternehmen, das inzwischen rund 2800 Mitarbeiter beschäftigt. Hierarchien mag Lautenschläger jedoch noch immer nicht. Bei MLP gibt es nur drei Stufen: Berater, Geschäftsstellenleiter und Vorstand.

Die Berater arbeiten als selbständige Handelsvertreter, sind also Unternehmer im Unternehmen. Manfred Lautenschläger gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Persönlichkeit zu entfalten. Im Gegenzug liefern sie ihm beste Leistung. Das rechnet sich. 30 Prozent Wachstum bei Umsatz und Gewinn sind bei MLP keine Seltenheit. Der Unternehmensgründer dankt seinen Mitarbeitern ihre gute Arbeit mit Gratisaktien - das Unternehmen ging 1988 an die Börse. Die Aktionäre erfreut er mit großzügiger Dividendenpolitik. Schlecht abgeschnitten hat auch er nicht. Im Ranking von manager magazin belegt Lautenschläger Platz 40 mit einem geschätzen Vermögen von 4,9 Milliarden Mark.

1999 gab Manfred Lautenschläger die Unternehmensführung an Bernhard Termühlen ab, den MLP-Aufsteiger und "Spitzenmann, aus dem ein Weltmeister geworden ist" (O-Ton Lautenschläger). Er wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats und kümmert sich um seine Stiftung, die er im selben Jahr ins Leben rief. Der leidenschaftliche Sportler (Radfahren, Basketball) unterstützt unter anderem Forschungs- und Sporteinrichtungen. Besonders am Herzen liegt ihm der USC Heidelberg, ein Traditionsverein. "Bei denen habe ich dafür gesorgt, dass sie mit ihrem eigenen Nachwuchs in der zweiten Bundesliga gefestigt dastehen. Mal sehen, ob es weitergeht."

Katy Hillmann



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